Kostenfrage Kindergarten: Kompliziertes Wiener Förder-System

4. August 2008, 09:46
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Wer zahlt wie viel und wer zahlt nichts - Für ein Drittel der Eltern ist der städtische Kindergarten gratis, allerdings sind die privaten Betreuungsplätze in der Überzahl

Der Gratis-Kindergarten ist bisher nur für einkommensschwache WienerInnen Realität. 811 Kindergärten zählt die Hauptstadt laut Statistik Austria, davon gehören nur 377 der Stadt Wien, 434 werden privat erhalten. Zum Vergleich: Bundesweit sind von 4.555 nur 1.188 privat. Ermäßigungen können Eltern für beide Einrichtungen beantragen. Nur ein Drittel der Eltern zahlt laut der zuständigen MA 10 für den Besuch im städtischen Kindergarten voll. Wie viele ihren Platz im Privatkindergarten voll zahlen müssen, konnte man gegenüber derStandard.at jedoch nicht beantworten.

Familie ist nicht gleich Familie

"Soziale Staffelung" nennt die Stadt Wien ihr Gebührenmodell. Die Bemessungsgrundlage für die Ermäßigung ist das Familien-Netto-Einkommen. Zu der monatlichen Einkommensgrenze von 2.373 Euro zählen allerdings nicht nur das Netto-Gehalt, sondern sämtliche Einkünfte: unter anderem die Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Unterstützungsbeiträge von Verwandten, Notstandshilfe und Unterhaltszahlungen. Das 13. und 14. Gehalt werden jedoch nicht miteinbezogen, informiert die Servicestelle.

Als Familie gelten verheiratete Paare. Auch Paare, die getrennt leben, aber noch nicht geschieden sind und unverheiratete Paare, die einen gemeinsamen Haushalt führen, zählen dazu. AlleinerzieherIn ist, wer nicht verheiratet ist und getrennt lebt. Familien, die mehr als ein Kind haben, können vom monatlichen Netto-Einkommen außerdem 342 Euro pro Kind abziehen.

Wer weniger als 1093 Euro netto im Monat zur Verfügung hat, ist auf alle Fälle von der Besuchsgebühr befreit. Diese beträgt bei einem Ganztagskindergartenbesuch derzeit 214, 28 Euro. Wer laut Servicestelle „nochmals weit unter dieser Grenze" liegt, dem wird auch der monatliche Essensbeitrag in der Höhe von 57,41 Euro erlassen.

Individuell und untransparent

Eine berufstätige Mutter rechnet vor, wie viel Ermäßigung sie erhält: "Wir liegen knapp unter der Einkommensgrenze und bekommen für unsere beiden Kinder jeweils 30 Euro monatlich." Solche Beispiele dienen jedoch nicht als Erfahrungswerte und sollen auch nicht zur eigenen Berechnung herangezogen werdern, warnt die MA 10-Sprecherin Claudia Trojer-Dornieden im Gespräch mit derStandard.at. Einen Durchschnittswert oder Richtwert gebe es wegen der individuellen Berechnung und dem komplizierten Verfahren nicht.

In der sozialen Staffelung gibt es laut Trojer-Dornieden 26 Ermäßigungsstufen, die sie aber nicht nennen kann, "weil die Berechnung so individuell erfolgt und die Ermäßigung von vielen Faktoren abhängt." Dass die von der zweifachen Mutter angegeben 30 Euro die oberste Stufe sein könnten, wollte die Sprecherin nicht bestätigen.

Private Ermäßigungen nicht erfasst

Für ein Drittel der Wiener Kinder ist der städtische Kindergartenbesuch kostenlos, berichtet Trojer-Dornieden. Ein weiteres Drittel erhalte durch die soziale Staffelung Ermäßigungen und ein Drittel zahle die volle Gebühr. Insgesamt besuchen laut Trojer-Dornieden 36.000 Kinder einen städtischen Kindergarten.

Die Zahl jener, die einen privaten Kindergarten besuchen, schätzt Trojer-Dornieden auf 39.000. Auch diese können bei der MA 10 eine Ermäßigung beantragen. Als Richtwert gelten die Gebühren der städtischen Kindergärten. Diese Gebühren werden auch zur Berechnung herangezogen. Wer eine Ermäßigung erhält, muss die Differenz der Gebühr vom städtischen zum privaten Kindergarten selbst zahlen.

Wie viele private Kindergartenbesuche derzeit ermäßigt sind, werde jedoch nicht erfasst. Dass ein Drittel der Eltern nichts zahlt, kann deshalb nur für die städtischen Kindergärten gelten, jedoch nicht für die Kinderbetreuung insgesamt. (lis/derStandard.at, 4. August 2008)

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    Ermäßigungen für den Kindergartenbesuch werden in Wien individuell berechnet. Die soziale Staffelung ist nicht leicht durchschaubar.

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