Der Kandidat, der sich selbst genug Konzept ist

29. Juli 2008, 17:30
  • Das Herz hat gesiegt: Fritz Dinkhauser wird kandidieren.

    Das Herz hat gesiegt: Fritz Dinkhauser wird kandidieren.

Jetzt aber wirklich: Fritz Dinkhauser will bei den Nationalratswahlen kandidieren

Er gilt als erfrischende Alternative zu einer satten Politikerszene. Warum eigentlich? Wofür steht der knorrige ÖVP-Dissident?

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Wien - Ein Zehner für die Blasmusik, ein Fünfer für die Bedienung: Der Griff in den Hosensack ist ein Markenzeichen des Fritz Dinkhauser, schließlich will das Image des "Robin Hood der Berge" (Kronen Zeitung) gepflegt sein. Und sei es nur mit einer milden Gabe auf einem Tiroler Volksfest.

Kleine Gesten und große Sprüche sind das Rezept, mit dem Fritz Dinkhauser nun auch in ganz Österreich reüssieren will. Vokabel wie "Schweinerei" zählen zum Standardrepertoire, wenn der 68-jährige ÖVP-Dissident über die Mächtigen und Großkopferten herzieht. "Aussi aus de Staudn" will er die saturierte Politikerkaste jagen, damit sie sich mehr den "Bucklern" als den "Bonzen" zuwende. Wer knackige Kritik am Establishment hören will, der ist bei Dinkhauser richtig.

So weit, so unverbindlich. Doch was will Dinkhauser, wenn er es ins Parlament schafft, besser machen? Hat der Mann einen Plan?

Zelebrierte Wutausbrüche

Diese Frage stellt sich Katharina Willi schon lange. "Seit 15 Jahren kommt er mit denselben Sprüchen daher" , stöhnt die grüne Kammerrätin, die Dinkhauser als Arbeiterkammerpräsident erlebt hat. Willi beschreibt den Tiroler Working- Class-Hero als Selbstdarsteller, der auf Kooperation mit kleineren Kräften wie den Grünen pfeife und "wie ein Sonnenkönig gegenüber seinen Untertanen" den Gönner spiele. Etwa wenn er - eine typische Dinkhauser-Show - Ehrungen für Arbeitsjubilare veranstalte.

Allerdings, räumt Willi ein, habe Dinkhauser mit seinem lärmenden Stil die Tiroler Arbeiterkammer (AK) zur bekanntesten Österreichs gemacht: "Seine Stärke ist, Ideen schnell aufzuschnappen und geschickt zu vermarkten." So habe Dinkhauser wichtige Projekte gefördert wie einen billigen Sozialmarkt für Arme oder ein Zukunftszentrum für Arbeit, wo Jobsucher ihre Kompetenzen analysieren lassen können.

Auch dem Sozialdemokraten Franz Reiter fallen einige Wohltaten ein, etwa Dinkhausers Einsatz für Arbeitsstiftungen. Ob der Neokandidat aber eine Vision fernab von Einzelmaßnahmen habe, wie das soziale Gefüge verändert werden soll, traut sich der Tiroler Gewerkschaftsboss nicht zu beurteilen: "Im Zweifel ist er jedenfalls auf Seite der Schwachen."

"Keinesfalls für aufgesetzt" hält Fritz Plasser, Dekan der Uni Innsbruck, die öffentlich zelebrierten Wutausbrüche über die sozialen Zustände. Selbst der betont distanzierte Politikwissenschafter konnte sich Dinkhausers jovialem Charme bei den sporadischen Begegnungen nicht entziehen. "Da kommt keine sterile Peinlichkeit, wie bei Treffen mit anderen Politikern, auf" , erzählt Plasser: "Nach 30 Sekunden hat man das Gefühl, man kenne sich seit Jahren."

Kein verkappter Roter

Plasser zählt Dinkhauser zu einem Typus, "der in der ÖVP seit den Achtzigern an den Rand gedrängt wurde" : Kein verkappter Sozialdemokrat, der nur deshalb bei den Schwarzen ist, weil sich's in Tirol so gehört, sondern ein Bürgerlicher in christlich-sozialer Tradition. Große Umverteilungspläne hat Dinkhauser noch keine gewälzt. Um die Einkommen zu heben, fordert er lieber mehr Hilfe für kleine und mittlere Betriebe.

Derartige Absichtserklärungen zählen schon zu den konkretesten Plänen Dinkhausers. Ansonsten spricht er bis dato reichlich vage von "mehr Gerechtigkeit" und der fehlenden "sozialen Dimension".

Klare Vorstellungen traut ihm Plasser "eher auf einer generellen Ebene" zu. "Aber das wird im Wahlkampf nicht spielentscheidend sein" , sagt der Politologe: "Seine Stärke ist, politische Verärgerung in gesellschaftsfähiger Form auszudrücken." Und anders als die "alten" Politiker wirkt Dinkhauser auch dann, wenn er - wie am Dienstag - entwaffnend ehrlich die eigene Konzeptlosigkeit eingesteht: "Das einzige Rezept, das ich liefern kann, bin ich selber." (Gerald John/DER STANDARD, Printausgabe, 30.7.2008)

 

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Nachdem er nicht in die Landesregierung kam,

ist er draufgekommen, dass ein Klubobmann in Tirol grad soviel wie ein NR-Abgeordneter verdient, ein Klubobmann im NR aber um 2/3 mehr. Also, aussi aus die Staudn und probiermas...

Eine richtige Sternschnuppe eben.Er ist für alles und gegen alles.Geiles Konzept.

ist dinkhauser leicht der obama der övp?

nur dass sie mit 2 Kandidaten antreten kann, weils nicht das amerikanische Wahlsystem gibt

Und noch einer der fremdes Geld verteilen will.

Und wo blieb die Umsetzung der Konzepte?

Alle Parteien hatten grossartige Konzepte, wo blieb die Umsetzung durch die Regierer mit, ihren Riesenapparaten, den Ministerien, Interessenvertretungen usw. im Rücken?
Ein Bild des Jammers: Staatsreform, Steuerreform, Finanzausgleich, Gesundheitsreform usw.usw. gescheitert,
oder nichteinmal ernsthaft versucht. Vorwürfe an Dinkhauser machen sich in diesem Zusammenhang lächerlich und kindisch aus.

keine Konzepte.Na super.

Ein Konzept - nichts leichter als das

Für mehr Demokratie
Einsparungen im öffentlichen Dienst
Untere und mittlere Einkommen entlasten
Steuerreform
Gesundheitsreform
Wirtschaftswachstum fördern
ungeregelten Ausländerzuzug verhindern
usw.
Das muss man jetzt noch irgendwo im Parteiprogramm niederschreiben und schon hat man ein Konzept (5 min nachdenken).
Der wesentliche Unterschied ist jedoch: Kann die Partei (der Spitzenkandidat) diese Vorhaben auch umsetzen? Oder versagt er bei den meisten Themen wie jede andere Partei? Wir Wähler müssen entscheiden, ob wir das "unserer" Partei zutrauen.

Genau...ist ja nicht so schwer sich zumindest

einige Programmpunkte auszudenken. Deshalb hat es mich so erstaunt, als Dinkhauser von Wolf in der ZIB 2 Ende letzter Woche befragt, eigentlich nicht mal 3 Schwerpunkte seiner Politik angeben konnte sondern nur unbeholfen von mehr Gerechtigkeit herum gestottert hat. Deshalb traue ich ihm auch nicht zu, was wirklich zu verändern sondern vermute dass er als Steigbügelhalter für einen ÖVP Kanzler herhalten muss und auch wird. Unabhängig davon, ob er offiziell noch ÖVP Miglied ist oder nicht....
Schade, dass sich HPM nicht dieser Bewegung angenommen hat, dann wäre diese Gruppe für mich wählbar gewesen.

Wie viele rechte parteien brauchen wir ?

Dinkhauser ist für Sie rechts?

Na servus.
Wo beginnt Ihre Mitte? Links der SPÖ?

er hat schon einmal wegen "ein Tirol"

mit der SVP zusammengesessen - daher kommt das S, daoch das heißt Südtirol... freilich auch kein SS...

je ...

... mehr, desto besser. sorgen machen mir nur die fusionen.

über Dinkhauser wird zumindest kontroversiell diskutiert, das schafft ihm Publicity. Ganz im Gegensatz zu LIF, KPÖ, LInke usw.

Ein bissal Verat ist das schon,

was der Fritz da so vor hat! Er hat in Tirol (s)einen Achtungserfolog erzielt und dem Menschen im Lande versprochen, sich persönlich für ein besseres Tirol einzusetzen. Österreichweit wird Fritz D. niemals so erfolgreich sein, wie in seiner Heimat. Ein weng erinnert er mich in seinem Verhalten den Guru der Polit-Sekte BZÖ in Kärnten.

allerdings muss man dem "orangen guru" ...

... bei aller persönlichen abneigung zugestehen, dass kärnten dank dieser masche einige zeit auf bundesebene stark überrepräsentiert war und sich das auch bezahlen ließ - EM-spielort klafu, koralm, ...

so gesehen handelt dinkhauser durchaus im sinne tirols (oder was er dafür hält).

Allerdings interessant,...

...dieser Trend zur "Regionalpartei". Haider ist (erzwungenermaßen) den Weg schon gegangen, Dinkhauser könnte der nächste sein, sogar die Kommunisten haben eine Zeitlang darauf gespitzt, ihre Grazer Wahlerfolge in die Bundespolitik ummünzen zu können. Man kann sich in Zukunft durchaus auch noch weitere Beispiele vorstellen, etwa die Wiener Grünen.

Ob das Ganze im Sinne Österreichs ist, ist aber wohl diskutabel.

Dinkhauser ist der einzige Kanditat

dem man vorurteilend außerhalb des derzeit etablierten Korruptions- und Bremserhaufens im Parlament vermuten würde.

Er ist wählbar. Er hat kein Konzept.
Grün Orange Rot Blau Schwarz haben ein Konzept, aber sind nicht wählbar - das gilt auch für den zerspragelten dunkelroten Weinstein-Bodensatz der Flaschenliega.

Zwar keine Korruption- aber doch Nepotismus

Die Vergabe der AK Baustellen Seehof und Eingangsbereich in Innsbruck an den Architekten- Stiefsohn von Dinkhauser riecht nicht nach der großen Korruption- nur nach der alltäglichen kleinen "Hilfe".

die österreicher sind so konzeptlos und ratlos dass sie einen dinkhauer als polit. lösung ihrer probleme sehen. arm sehr arm.

Hallo Hein...

Na, dann komm doch mal rueber mit Deinem "nicht armen" Konzept.
Oder wollte da nur jemand heisse Luft ablassen?
In dem Fall koennte ich Ballon fahren waermstens empfehlen....

Dafür halten Sie sich nördlich des Weißwurstäquators

Glatzen, die politisches Trübsal in ausländerfreien Gebieten blasen und Typen wie den Hamburger Richter Lynch(justiz). Auch wenn Operette kein Lebenszweck ist, besser als dieser abgefuckte Nordlicht-Müll.

Alternative

Ich begrüße als Demokrat jede zusätzliche Alternative zu den etablierten Parteien, egal ob Fritz Dinkhauser, die Liberalen oder sonstige Gruppierungen. Insbesondere wenn ich mir die derzeitige Politik der gescheiterten Regierung, aber auch der Oppositionsparteien ansehe. Bin jedenfalls froh um jede halbwegs ernsthafte politische Alternative, damit ich nicht gezwungenermaßen zum Nichtwähler werde. Dinkhauser hat in seiner Zeit als Arbeiterkammerpräsident sich immer sehr für die Anliegen der Arbeitnehmer eingesetzt und man wusste bei ihm immer, was Sache ist. Sicher nicht nur uneigennützig, aber jedenfalls glaubwürdig und mit Nachdruck. Daher ist er sicherlich eine ernstzunehmende Alternative zu den alteingesessenen Parteien. Was in der derz

D-I-N-K-Hauser

Mein Eindruck:

Double-Income-No-Konzept-Hauser!

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