Liberalismus hat wieder eine Chance

27. Juli 2008, 18:47

In Österreich hat er sich als Partei immer schwer getan - Die Kandidatur Heide Schmidts ist eine Chance für den Liberalismus als Verfechter von bedrohten Freiheiten

Letzte Reste eines österreichischen Liberalismus, zum Beispiel in Form von Verfassungstreue, gibt es nur noch bei den Grünen. Tatsächlich kann man deren Sprecher Alexander Van der Bellen als einen Sozialliberalen begreifen, der nichts mit dem Sozialismus, aber schon gar nichts mit dem Neoliberalismus auf der anderen Seite des Spektrums gemein hat.


Da aus den beiden (noch) stärksten Parteien des Landes die sozial- und kulturliberalen Stimmen verdrängt wurden, gleichzeitig aber von Regierung und Parlament liberale demokratische Errungenschaften laufend abgeschafft werden, ist die Spitzenkandidatur von Heide Schmidt für das Liberale Forum eine frohe Botschaft.


Und eine Chance für den Liberalismus als Verfechter einer Zivilgesellschaft, deren Freiheiten bedroht sind. Durch militante, gut und weltweit organisierte Extremisten, durch Fehlentwicklungen der Globalisierung. Gleichzeitig aber auch durch Law-and-Order-Anhänger, welche das Klima der Angst dazu benützen, die neuen Überwachungsinstrumente auf oppositionelle politische Kräfte auszudehnen.


Heide Schmidt ist ja 1999 nur ganz knapp an der Vier-Prozent-Hürde gescheitert, weil ihre Forderung nach Einrechnung des 13. und 14. Monatsgehalts selbst bei Gutbetuchten auf begreiflichen Widerstand stieß. Was sie seither verfocht, auch in Standard-Montagsgesprächen, ist ihr Bekenntnis zum liberalen Rechtsstaat und zu einem vernünftigen Minderheitenschutz. In Sonntagsmatineen hat sie ihre Positionen aktualisiert.


In Österreich hat es der Liberalismus als Partei immer schwer gehabt. Seine Präsenz in Parlamenten währte stets nur kurz - als „Sozialpolitische Partei" Ende des 19. Jahrhunderts und als „Liberales Forum" hundert Jahre später von 1993 bis 1999. Stärker bemerkbar machen konnte sich der politische Liberalismus immer nur als Flügel in Parteien: ökonomisch in der ÖVP (z.B. als Raab-Kamitz-Kurs), kulturell in der SPÖ (via Kreisky sowie durch den Zilk-Pasterk-Kurs in Wien) und in der steirischen ÖVP (Krainer/Koren). Dominant war immer der Nationalliberalismus, der in Kampfsituationen dem populistischen Rechtsliberalismus weichen musste (zuletzt die Steger-FPÖ, aber auch Heide Schmidt selbst).


In meinem Buch Liberalismus gegen Nationalismus (Passagen Verlag 1993) wurde die Frage gestellt, ob liberalen Fraktionen etwas abgehe, was nationale Parteien immer wieder bieten können: die gemeinsame Versammlung unter einer Fahne, das emotionale Intonieren patriotischer Lieder, die Abwehr des jeweils Fremden.


Der Liberalismus ist in nahezu allen seinen Varianten ein Konstrukt des Verstandes. Weshalb Konrad Paul Liessmann im zitierten Buch vor 15 Jahren anmerkte, dieses Manko könne nur durch eine Persönlichkeit an der Spitze abgedeckt werden.


Man sollte von Heide Schmidt keine Wunder erwarten, und man sollte vor allem auch die Grünen nicht unterschätzen. Aber die Aussicht auf eine Umgestaltung der Parteienlandschaft und eine Verhinderung der großen Koalition (die zuletzt ja von uns allen herbeigewählt wurde) hat etwas enorm Attraktives. Der Herbst birgt viele bunte Blätter. (Gerfried Sperl, DER STANDARD Printausgabe, 28.7.2008)

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leojus
26.08.2008 12:28
Heide Schmidt gestern live...

Bemerkung zum gestrigen Montagsgespräch:
Fr. Schmidt war gesert gut, sehr gut sogar: Tolle Ideen, vernünftige Ansätze. Aber: Sie hat Fr. Glawischnig dauernd dreingeredet, ja sie sogar unterbrochen und dann selbst 5 min geredet. Das ist enttäuschend, weil das ist keine Gesprächskultur...

ddsg-kapitän nemo
30.07.2008 13:29
der missbrauch des begriffs "liberalismus" durch blau-rote politiker wie haselsteiner und schmidt

ist keine chance, sondern eine sprachliche irreführung.

derpradler
30.07.2008 11:47
Die Wahl wird zum Spielplatz

von Außenseitern, Kriminellen und sonstigen Schwachköpfen!

amoruritme
30.07.2008 23:25
na dann...

wirst du ja hoffentlich nicht zur wahl gehen...


;-)

in der Höhle des Löwen
30.07.2008 11:19

und wenn das LIF wieder den Einzug verpasst, dann heisst es wieder: die WählerInnen sind nicht reif dazu; nein danke!

in der Höhle des Löwen
30.07.2008 11:18

is-men ganz gleich welcher Art, nein danke!

Dipar
04.08.2008 10:35

konservatismus?

ma48a
29.07.2008 23:35
der liberalismus hat nicht wirklich etwas mit rechts oder links zu tuen

Liberalismus ist eine politische Weltanschauung, die die Freiheiten des einzelnen Menschen in den Vordergrund stellt und jede Form des geistigen, sozialen, politischen oder staatlichen Zwangs ablehnt. Die vier wichtigsten Prinzipien des L. sind: a) das Recht auf Selbstbestimmung auf der Basis von Vernunft und Einsicht, b) die Beschränkung politischer Macht und c) die Freiheit gegenüber dem Staat, d) die Selbstregulierung der Wirtschaft auf der Basis persönlichen Eigentums.

es ist nicht immer leicht den liberalismus zu erklären, aber er ist das menschenwürdigste system beim zusammenleben.

Jake Gittes
03.08.2008 18:10

Liberal ist nur gut mit Bindestrich, hat mal einer gesagt,....

soll heißen:

Sozial-Liberal oder
Konservativ-Liberal

Sheriff Jack Mauer
29.07.2008 19:59

Eine eisenharte RECHTSliberale Partei wäre das was wir bräuchten,aber kein absurdes Linksprojekt mit dem Namen LiF.

Gotcha
29.07.2008 11:04

Das LIF ist ein Witz. Allein das Zach das umoralische Angebot der Spö angenommen hat.. entweder hat man eine eigene Partei oder nicht. Das ist ganz so als ob Dinkhauser noch Övp Mitglie..oh wait.

Pol e Mike
29.07.2008 14:31
Ein angenlich "liberales" Forum,

das bei den nationalen Sozialisten aufgezogen wurde,
und bei den internationalen Sozialisten sein Ausgedinge findet.....ein echter gespielter Politwitz!

amoruritme
30.07.2008 23:26
genial!

das LIF ein sammelsurium von nazis und kommunisten?

echt schräg, deine denke! nö danke!

sholz
04.08.2008 16:49

schräg? Ein Volltreffer. Das verstehen nur Leute wie du nicht, die immer noch in "rechts" und "links"-Kategorien denken - obwohl an beiden "Polen" roher Sozialismus wütet.

skip it
30.07.2008 10:43
gehen's, erzaehlen's das einmal dem haselsteiner...

sholz
04.08.2008 16:50

Haselsteiner ist ein geradezu klassischer, nationaler Sozialist, der wie kein Anderer von prallen, öffentlichen Steuerkassen profitiert. Nur zurückgebliebene Bobos wundern sich über die Forderung nach höheren Steuern von einem solchen "Unternehmer".

mikromalist  
29.07.2008 09:42
Die frühen Liberalen,

hatten natürlich noch keine Ahnung von der Dynamik heutiger Wirtschaft, Wohlstand,..
Sie fühlten sich der Aufklärung verpflichtet: das-Individuum-ist-wichtiger-als-jeglicher-Clan. Gegen Feudalismus, Klerikalismus,...
Erkannten nicht sofort, dass dies SOZIAL-sein automatisch einschliesst.
Ich glaube, moderne Liberale und moderne Linke eint die Idee: Wirtschaft erzeugt Wohlstandstopf ungehindert, Soziales verteilt ihn nach fairen Regeln. Und, dass ein alles überwuchernder Staat
a) Geld verdienen behindert
b) vom Verteilgut das meiste selbst verbraucht
Ideologische Unterschiede gibt es allenfalls bei der Strategie der Verteilung.
Moderne Linke möchte mehr in soziale Infrastruktur.., moderne Liberale eher in Grundeinkommen.
Deshalb LIF.

dojon862
29.07.2008 07:32
Liberale ?

Liberale ?. Waren das nicht die, die im 19. Jahrhundert die Kinderarbeit und den 12 Stundentag verteidigten ?

Eris 
29.07.2008 09:46
Au contraire

Der Zwölfstundentag mußte erst erkämpft werden - und zwar von den sogenannten "Manchesterliberalen" Bright und Cobden. Vorher gab es den Sechzehnstundentag. Richard Cobden setzte sich auch GEGEN die Kinderarbeit ein.

ma48a
28.07.2008 22:15
das ist liberalismus


Lexikon

Liberalismus

(lat.) L. ist eine politische Weltanschauung, die die Freiheiten des einzelnen Menschen in den Vordergrund stellt und jede Form des geistigen, sozialen, politischen oder staatlichen Zwangs ablehnt. Die vier wichtigsten Prinzipien des L. sind: a) das Recht auf Selbstbestimmung auf der Basis von Vernunft und Einsicht, b) die Beschränkung politischer Macht und c) die Freiheit gegenüber dem Staat, d) die Selbstregulierung der Wirtschaft auf der Basis persönlichen Eigentums.

eclecticon #1
29.07.2008 12:12

nja...
richtet sich in 4 punkten eigentlich selbst

ich für meinen teil leb lieber in einem sozialstaat, in dem niemand die freiheit hat auf der straße zu verhungern

ich finds ausserdem gut, das bei uns nicht das faustrecht gilt, sondern der staat sehr wohl freiheiten nimmt und dafür das zusammenleben regelt


meiner meinung ist 'liberalismus' genau so eine schimäre wie die 'freie marktwirtschaft'

skip it
30.07.2008 09:43
wieso sollte liberalismus...

...im widerspruch zum republikanischen solidarprinzip stehen?

hier kommt kurt!
29.07.2008 14:01
nichts ist absolut

auch im falle des liberalismus muss man definieren welchen liberaliamus man meint. ich persönlich schätze im wirtschaftsbereich den theoretischen ansatz euckens ("ordoliberalismus") und im sozialen zusammenleben einen "sozialstaat"; da eine möglichst weitreichende soziale absicherung mir erst die möglichkeit gibt mich frei ("liberal") zu entfalten - ausser natürlich, ich bin reich wie deripaska, haslesteiner oder konrad von der raika (alle 3 an der strabag beteiligt). alles das (könnte man als "sozialliberal"/"linksliberal" bezeichnen) vertreten aber grosso modo jetzt schon die grünen. also sollte sich das LIF ein anderes profil geben, um von den grünen unterscheidbar zu sein, sonst gilt wieder der spruch vom schmied und vom schmiedl...

hier kommt kurt!
29.07.2008 09:29
"Selbstbestimmung auf der Basis von Vernunft und Einsicht"

und wie definieren wir v.a. die "einsicht"? etwa die einsicht, dass "dem staat" auch eine wichtige rolle zukommt (etwa das gewaltmonopol, die gerichtsbarkeit, die regulierung der wirtschaft - insbes. in hinblick auf machtkonzentration in konzernen, umweltschutz, schutz der sozial schwächeren vor den sozial stärkeren usw. usf.)?

Gerhard Gilnreiner 
28.07.2008 17:59
Ich glaube......

....das Wort LIBERAL ist schon zu verbraucht.

Wer sein Wissen mit älterem Datum bezogen hat kann sich nur wundern. Von Manchester über 1848 und die seither bekannten, unzähligen Spielarten, bis Heide Schmidt, ist beinahe alles interpretierbar. Und Heide Schmidt ist nicht nur liberal sondern auch als Querkopf punziert.

Kurzfristig klären kann man das nicht, schon deshalb, weil angeblich Liberale stark zum Individualismus und zum Sektieren neigen.

Es wird sich daher jeder Wähler seinen Liberalismus selbst definieren, bzw. glauben zu verstehen.

Selbst wenn das LIF mit dem Rückenwind des momentanen Politfrust und dem Geld von Haselsteiner ins Parlament kommt - das Ende wir sich wiederholen, wie gehabt.

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