Tirol: Aller Anfang ist Zuständigkeit

19. Februar 2003, 19:23
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Tirols Exkicker klagen Exfunktionäre: Welches Gericht verhandelt?

Wien/Innsbruck - 14 ehemalige Spieler des im Sommer 2002 in Konkurs gegangenen Fußballmeisters FC Tirol suchen einen Gerichtsstandort. Sie haben die beiden ehemaligen Klubpräsidenten Martin Kerscher und Othmar Bruckmüller sowie den Exrechtsreferenten Hansjörg Mader auf Zahlung von ausständigen Gehältern in der Höhe von einer Million Euro geklagt. Die ausstehende Gesamtsumme beträgt nach Angaben des Spielervertreters Friedrich Gatscha 3,6 Millionen Euro. Um nicht horrende Gerichtsgebühren berappen zu müssen, begnügte man sich vorerst mit einem Teilverlangen, am Ende des Prozesses können die Spieler die Forderung jedenfalls noch ausdehnen.

Zuständigkeits-Frage

Der am Dienstag stattgehabte erste Gerichtstag diente zur Feststellung der Zuständigkeit. Die Spieler und Gatscha argumentieren, dass der Dreiersenat des Innsbrucker Arbeitsgerichtes sehr wohl zuständig sei, weil ein Verein als "abstrakter Arbeitgeber" und juristische Person von seinen Organen (Präsidenten) vertreten werde, die für arbeitsrechtliche Streitereien mit den Dienstnehmern (Spielern) zuständig seien.

Bruckmüllers Vertreter Hansjörg Schweinester wandte ein, dass Bruckmüller in Innsbruck keinen Wohnsitz habe und daher das Landesgericht Steyr zuständig sei, Gatscha will binnen vier Wochen den Nachweis liefern, dass Bruckmüller in Innsbruck sehr wohl eine Wohnung habe. Interessanterweise schloss sich Kerscher dem (formalen) Einwand Bruckmüllers "aus prozessökonomischen Gründen" (Gatscha) nicht an. Gatscha wies in der Folge darauf hin, dass das Innsbrucker Landesgericht wohl für alle drei Beklagten zuständig sein müsse, wenn einer der drei dies anerkenne.

Richter Bergmann wollte sich Gatschas Folgerung noch nicht anschließen, er will freilich "umgehend", wie er versicherte, schriftlich über die Zuständigkeit entscheiden. Dagegen gibt es das verzögernde Rechtsmittel des Rekurses, ein nächster Prozesstermin dürfte sich somit im Mai ergeben. Von den klagenden Spielern waren Ali Hörtnagl, Oliver Prudlo und Stani Tschertschessow anwesend, von den drei Beklagten niemand. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 20. Februar 2003, Johann Skocek)

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