Tauziehen um US-Truppen in der Türkei

20. Februar 2003, 06:15
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Ankara will im Irak nicht unter US-Befehl operieren - Fleischer: Krieg auch ohne türkische Beteiligung

Istanbul/New York/Bagdad - Das Tauziehen um die Stationierung von US-Truppen auf türkischem Territorium geht in die nächste Runde: Wie der türkische Nachrichtensender NTV meldete, haben die USA jetzt zugestimmt, dass die türkische Armee bei einem Einmarsch in den Nordirak nicht einem US-Oberkommando unterstellt wird.

Fleischer: Krieg auch ohne türkische Beteiligung

Washington könne auch ohne die Türkei erfolgreich einen Militäreinsatz gegen den Irak führen, sagte der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer, am Mittwoch. Die Unterstützung Ankaras sei aus "strategischer Sicht" wünschenswert, aber für die USA nicht entscheidend. Zuvor hatte Fleischer die Türkei noch gemahnt, es bleibe "nicht mehr viel Zeit", der Stationierung weiterer US-Truppen auf türkischem Boden zuzustimmen.

Die Regierung in Ankara hatte immer betont, dass türkische Truppen im Kriegsfall nicht in Kämpfe gegen irakische Truppen eingreifen, sondern lediglich die Sicherheitsinteressen der Türkei wahrnehmen sollen. Darunter versteht man in Ankara, einen kurdischen Staat im Nordirak zu verhindern und zweitens irakische Flüchtlinge in Lagern auf irakischer Seite unterzubringen.

Indes haben US-Soldaten aus dem Stützpunkt Incirlik Mittwoch begonnen, ungeachtet eines fehlenden Parlamentsbeschlusses im Mittelmeerhafen Iskenderun schweres militärisches Gerät - darunter Panzer - aus einem Frachter zu entladen. Die Nato hat indes doch noch die Stationierung von Schutzsystemen wie Awacs-Aufklärungsflugzeugen, Patriot-Abwehrraketen und ABC-Einheiten in der Türkei beschlossen.

Die Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Dienstag in New York hat erneut die tiefe Spaltung der Weltorganisation in der Irakpolitik offenbart. Der griechische UNO-Botschafter Adamantios Vassilakis warb im Namen der Europäischen Union für die gemeinsame Linie der 15 EU-Staaten: "Ein Krieg ist immer noch zu verhindern." Der UN-Botschafter der USA, John Negroponte, forderte nach der Sitzung die rasche Verabschiedung einer neuen Resolution, die einen Krieg gegen den Irak autorisiert. US-Diplomaten kündigten die Vorlage eines "sehr harten" Entwurfs für diese oder kommende Woche an.

Vier Österreicher brachen indes Mittwoch nach Bagdad auf, um als "menschliche Schutzschilde" gegen einen Angriff der USA zu demonstrieren. Sie betonten vor ihrer Abreise, dass es bei ihrer Mission nicht um die Unterstützung Saddam Husseins, sondern um die Solidarisierung mit dem irakischen Volk gehe. (bed/jg, red/DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2003)

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    U.S. General Richard B. Myers begleitet von einem türkischen General bei einem Türkei-Besuch.

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