Schweizer Regierung will Monopol von Swisscom im Ortsnetz knacken

19. Februar 2003, 18:17
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Flaschenhals auf dem Weg zur Internet-Autobahn: Swisscom derzeit mit 30.000 ADSL-Bestellungen im Rückstand

Die Schweizer Regierung will mit dem Wettbewerb auf dem Telefon-Markt endgültig ernst machen. Wie das Kabinett am Mittwoch beschloss, soll bis zur kommenden Woche eine juristische Möglichkeit gefunden werden, Swisscom zur Aufgabe seines Monopols im Ortsnetz zu bewegen. Die könne per Verordnung oder per Gesetz erfolgen, sagte Regierungssprecher Achille Casanova. Eine Verordnung droht seinen Wochen aber vor dem Bundesgericht angefochten zu werden, weshalb diese Lösung zeitaufwändiger wäre als der Weg über ein Parlamentsgesetz.

Die vom Staat kontrollierte Swisscom besitzt in der Schweiz ein Kupferkabelnetz, an das vier Millionen Haushalte und Firmen angeschlossen sind. Für die Nutzung der so genannten letzten Meile durch Kunden der Konkurrenz verlangt Swisscom wie bei eigenen Kunden 25,25 Franken (17,15 Euro). Die Swisscom, die schon früher vor einer "Enteignung" gewarnt hatte, bedauerte am Mittwoch die Entscheidung der Regierung. Das Unternehmen kündigte bei Änderungen eine Klage an, um die Interessen seiner Aktionäre zu schützen.

Auf dem Weg zur Internet-Autobahn gibt es einen Flaschenhals bei der Swisscom: Wegen eines Lieferengpasses müssen Zehntausende derzeit mehr als einen Monat auf einen ADSL-Anschluss warten. Besserung wird ab April versprochen. Nach intensiven Werbekampagnen für den Breitbandanschluss ins weltweite Netz zur Weihnachtszeit hat die Swisscom einen wahren Bestellungsansturm bewältigen müssen. Die unerwartet hohe Nachfrage habe zu Engpässen beim Lieferanten Alcatel geführt, so Swisscom-Sprecher Sepp Huber. Alcatel liefere ein Bauteil, mit dem die Leitungen in den Ortszentralen ADSL-fähig gemacht werden.

Derzeit sei die Swisscom mit 30.000 Bestellungen im Rückstand. Ein Drittel aller Kunden werde "rasch" angeschlossen. Zwei Drittel müsse sich dagegen über vier Wochen gedulden. Bis im April solle sich die Situation normalisiert haben, sagte Huber. Innerhalb eines Jahres habe sich die Zahl der ADSL-Kunden verfünffacht. Derzeit gebe es deutlich über 200.000 Anschlüsse in der Schweiz, sagte Huber. Im Bereich ADSL schaffe die Swisscom im laufenden Jahr rund 50 neue Stellen.(APA)

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