Erstmals seit Holocaust wieder Rabbiner-Prüfungen in Berlin

19. Februar 2003, 17:51
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"Gutes Zeichen für das Zusammenleben in Berlin"

Berlin - Erstmals seit dem Holocaust haben wieder angehende Rabbiner in Berlin studiert. Am Mittwoch erhielten die zehn Studenten aus der Hand des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit ihre Prüfungsurkunden. Wowereit sprach von einem positivem Signal für das jüdische Leben in der Stadt. Auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Alexander Brenner, wertete die Entscheidung der jungen Männer aus Israel und den USA als gutes Zeichen für das Zusammenleben in Berlin.

Die Rabbiner-Studenten waren für einen Teil ihrer Ausbildung eigens nach Berlin gekommen, wo sie im Torah-Zentrum der jüdischen Organisation Chabad Lubawitsch studierten. Rabbiner Yehuda Teichtal vom Torah-Zentrum betonte, Berlin sei wieder Zentrum jüdischen Lebens geworden. "Schauen wir nicht auf die Vergangenheit, sondern in die Zukunft, auf das neue Berlin."

Als eine der großen jüdischen Organisationen engagiert sich Chabad Lubawitsch in sozialen und religiösen Bereichen. Die Rabbiner-Studenten geben Unterricht, bereiten jüdische Feiertage vor und leisten soziale Dienste.

Scharfe Kritik übte der Direktor des Moses-Mendelsohn-Zentrums für Jüdische Studien an der Universität Potsdam, Julius Schoeps. Chabad Lubawitsch sei eine "ultraorthodoxe Gruppe, man könne auch sagen: eine jüdische Sekte", sagte Schoeps im Rundfunk. Es sei "höchst irritierend", dass Wowereit Urkunden dieser Organisation austeile. (APA/dpa)

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