Schießerei in Wien-Favoriten geklärt: Trennung nicht verkraftet

20. Februar 2003, 16:09
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Kein Schusswechsel zwischen Täter und Opfer - 18-Jährigem gelang vorerst Flucht - er wollte an die Waffe und starb - Vier Tote im Eifersuchtsdrama

Wien - Die Hintergründe des Blutbades am Mittwoch in Wien-Favoriten sind weitgehend geklärt: Der Schütze(48) dürfte aus Eifersucht seine ehemalige Freundin, ihren Sohn und den neuen Freund mit einer Maschinenpistole getötet haben, bevor er sich selbst mit einem Schuss in den Kopf gerichtet hat. Ein Feuergefecht zwischen dem Täter und seinen Opfern hat es definitiv nicht gegeben "Es war eindeutig ein Dreifachmord mit anschließendem Selbstmord", sagte Dr. Ernst Geiger, Direktor der Kriminaldirektion 1.

18-Jähriger wollte an die Waffe

Ein Zeuge hatte von einem Schusswechsel berichtet, doch dürften diese Angaben nicht richtig gewesen sein. Vielmehr war es dem 18-jährigen Sohn gelungen, aus dem Auto zu entkommen, auf das der Täter ganze Salven gefeuert hat. Der junge Mann dürfte noch versucht haben, dem Schützen die Waffe zu entreißen, bevor er niedergestreckt wurde. Bei der Obduktion wurden acht Kugeln im Körper des Handelsschülers gefunden.

Trennung vor einem wenigen Monaten

Die Frau hatte sich etwa vor einem drei Viertel Jahr nach einer siebenjährigen Beziehung vom Schützen getrennt. Die 40-Jährige war seitdem mit ihrem neuen Freund liiert gewesen. Der Sohn stammte aus einer aufrechten Ehe mit einem anderen Mann.

Trennung nicht verkraftet

Der Schütze dürfte über die Trennung nicht hinweggekommen sein. "Er hat versucht, sie zurückzuerobern", erklärte Geiger. Dabei hat er die Frau und ihren neuen Lebensgefährten auch mehrmals bedroht - zuletzt am 13. Februar. "Er hat den neuen Freund zur Rede gestellt", so die Polizei. Nach einem heftigen Wortwechsel verließ der Schütze die Wohnung in der Puchsbaumgasse. "Er hat dann die Nacht vor dem Haus verbracht", sagte Geiger.

Sohn machte sich Sorgen um seine Mutter

Nicht zuletzt wegen dieses Vorfalls machte sich der Sohn von der Frau große Sorgen um seine Mutter. "Wann immer es ging, holte er sie von ihrer Arbeitsstelle in einem Gastronomiebetrieb in Favoriten ab", erklärte Geiger. Die Polizei wurde allerdings nie eingeschaltet.

Sohn und neuer Freund wollten Frau ins Lokal begleiten

Am Tag des Blutbades wollten sie gerade zu dem Lokal aufbrechen. Der Schütze stürmte auf das ausparkende Auto zu, feuerte zuerst mit der Maschinenpistole auf den Freund, dann starben die Frau und ihr Sohn im Kugelhagel. Danach setzte der Schütze seinem Leben mit einem Schuss in die rechte Schläfe ein Ende. Im Körper des Täters wurden bei der Obduktion keine weiteren Schussverletzungen festgestellt.

Waffenbesitz

Die Waffen dürften schon länger illegal im Besitz des Schützen gewesen sein. "Die Pistole hat er seit zehn Jahren in seiner Wohnung versteckt gehabt", erläuterte die Polizei. Wie lange und woher er die Maschinenpistole hatte, war indes weiter unbekannt. Bei einer Hausdurchsuchung wurden keine weiteren Waffen sichergestellt. Beim Auto wurden zwei verschiedene Faustfeuerwaffen sowie zahlreiche Patronenhülsen gefunden.

Kein Abschiedsbrief

Auch Abschiedsbrief wurde keiner entdeckt. "Wir haben nur einen Zettel mit den Telefonnummern von drei seiner engsten Angehörigen gefunden", sagte Geiger. (APA)

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    Tatort Puchsbaumgasse

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