Mann britischer Kulturministerin in Berlusconis Schmiergeldskandal verwickelt

19. Februar 2003, 15:44
posten

Sog der Ermittlungen ergriff Starrechtsanwalt David Mills

Rom - Mit Hilfe der britischen Justizbehörden versuchen die Mailänder Staatsanwälte Klarheit über die Schwarzgelder und illegalen Parteienfinanzierungen zu schaffen, die die Mailänder Mediengesellschaft "Fininvest" unter der Kontrolle des italienischen Premiers Silvio Berlusconi in den 90er Jahren gezahlt haben soll. In den Sog der Ermittlungen der Mailänder Justiz ist nach Angaben italienischer Medien jetzt auch der Londoner Berater der Fininvest und Ehemann der britischen Kulturministerin Tessa Jowell, David Mills, geraten. Mills wird verdächtigt, auf den British Virgin Islands ein Netz von Offshore-Gesellschaften aufgebaut zu haben, dank denen Berlusconi dem italienischen Fiskus Millionen hinterzogen und Schwarzgelder gewaschen haben soll.

Obwohl die Untersuchung erst in der Anfangsphase ist, drohen Mills bis zu zwölf Jahren Haft. Der Starrechtsanwalt, der seine Unschuld beteuert, hatte zwei Jahrzehnte lang für Berlusconis Fininvest gearbeitet. Obwohl in den letzten sechs Jahren öfters von seiner Verwicklung in dunklen Fininvest-Geschäften die Rede war, wurden erst Anfang Februar offiziell Ermittlungen gegen ihn eingeleitet. Neben Mills wird unter anderem gegen den Präsidenten der Arner Bank von Lugano, Paolo Del Bue, wegen Geldwäsche ermittelt. Wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung läuft außerdem eine Untersuchung gegen den Präsident der Berlusconi-eigenen Mediengesellschaft Mediaset, Fedele Confalonieri.

Berlusconi leugnete stets die illegalen Parteienfinanzierungen

In der Untersuchung, in die weitere prominente Fininvest-Manager verwickelt sind, geht es unter anderem um die illegalen Aktivitäten der panamesischen "All Iberian", einer Tochter der Fininvest. Über diese Firma sollen illegale Parteienfinanzierungen auf ein Konto des verstorbenen Sozialistenchefs Bettino Craxi verschoben worden sein. Berlusconi hatte stets die illegalen Parteienfinanzierungen an Craxi geleugnet. Die Zweckbestimmung der Gelder, die nach Meinung der Staatsanwaltschaft Craxi zur Verfügung gestellt worden waren, sei eine andere gewesen. Es handle sich um Gelder, die für den Kauf von Filmrechten bezahlt worden waren, hatte Berlusconi beteuert.

Mills wird demnächst öfters mit der Mailänder Justiz zu tun haben. Er wurde als Verteidigungszeuge von Regierungschef Silvio Berlusconi bei dem Mailänder Korruptionsprozess vorgeladen, der derzeit gegen den italienischen Ministerpräsidenten und den Ex-Verteidigungsminister Cesare Previti läuft. Im Verfahren gegen Berlusconi geht es um mutmaßliche Schmiergelder, die er und sein Ex-Rechtsanwalt Previti in den achtziger Jahren an römische Richter gezahlt haben sollen, um eine günstige Entscheidung über den Verkauf des staatlichen Nahrungsmittelkonzerns Sme zu erwirken. Berlusconi wollte angeblich bei einer Entscheidung über den stückweisen Verkauf der staatlichen Lebensmittelgruppe mit Schmiergeldzahlungen die Richter beeinflussen. (APA)

Share if you care.