Berliner Finanzsenator hält drei Opern für zu teuer

19. Februar 2003, 15:41
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Weniger Zuschussbedarf in Wien und München

Berlin - Der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat seine Kritik an den seiner Meinung nach zu teuren drei Berliner Opernhäusern bekräftigt. Sie seien ein "Kulturgenuss, der nicht gerade die breite Masse erreicht", schreibt der SPD-Politiker in einem Beitrag für die neueste Ausgabe der Zeitung des Deutschen Kulturrates "politik und kultur". Die drei Häuser kosteten jährlich 130 Millionen Euro. "Davon erwirtschaften Deutsche Oper, Staatsoper und Komische Oper zusammen nur 13 Millionen Euro. Den Rest trägt das Land, sprich der Steuerzahler. Das muss nicht sein", meint der Senator.

Sarrazin verwies als Vergleich auf die Münchner Situation. Dort kosteten 523.000 Opernbesucher 54 Millionen Euro Zuschuss, während in Berlin 732.000 Besucher 117 Millionen Euro Zuschuss erforderten.

Vergleichszahlen aus Wien

Was eine Recherche ergab: Die beiden Wiener Opernhäuser verzeichneten in der Saison 2001/02 insgesamt 899.450 Besucher und wurden mit rund 85 Mio. Euro aus öffentlichen Geldern gefördert. Auf den einzelnen Besucher gerechnet, ergibt sich folgendes Bild: Während in Wien jeder einzelne Besucher mit 94,4 Euro aus öffentlichen Geldern bezuschusst wird, benötigt der Berliner Operngast (gerechnet nach Sarrazins Angaben) fast 160 Euro. In München beträgt die Summe 103 Euro.

In Wien erzielte alleine die Staatsoper mit 596.807 Besuchern (ohne Kinderoper) Kartenerlöse in der Höhe von 26,7 Mio. Euro. Insgesamt erzielte die Staatsoper Umsatzerlöse von 33,8 Mio. Euro, gegenüber einer Förderung aus öffentlichen Mitteln, die nach wie vor rund 51,5 Mio. Euro beträgt. Der Eigendeckungsgrad betrug 44 Prozent. Die Volksoper erzielte bei 302.643 Besuchern Umsatzerlöse von 7,8 Mio. Euro. Die öffentliche Förderung betrug rund 33,5 Mio. Euro, der Eigendeckungsgrad 22 Prozent. (APA/dpa)

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