Parlament rettet Italiens Vereine

19. Februar 2003, 15:07
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Mit umstrittenem Bilanzgesetz

Rom - Das italienische Parlament hat die mit rund zwei Milliarden Euro verschuldeten Fußballvereine des Landes mit einem umstrittenen neuen Bilanzgesetz vor der Pleite bewahrt. Demnach bekommen die Klubs zehn Jahre Zeit, um ihre durch den Verfall der Spielerpreise in die Höhe geschnellte Schuldenlast in Raten abzutragen.

Ohne das neue Gesetz hätten die Vereine ihre negativen Bilanzen durch frisches Geld noch vor der nächsten Saison ausgleichen müssen, um die neue Spiellizenz zu erlangen. Dazu wären die meisten Klubs aber nicht in der Lage gewesen. "Die Regierung rettet den Fußball", titelte deshalb die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch. "Jetzt können wir mit der Sanierung beginnen", atmete Italiens Fußballverbands-Präsident Franco Carraro nach der Bestätigung des Gesetzes durch die zweite Kammer des römischen Parlaments auf.

Verfassungs-Tauglichkeit fraglich

Das Gesetz ist allerdings höchst umstritten. Kritiker halten es sogar für verfassungswidrig. Italienische Verbraucherschützer und EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti halten das Gesetz für unhaltbar. Monti sprach von unerlaubten "Staatshilfen" für den Fußball, die Fußballklubs anderer Nationen im gemeinsamen europäischen Wettbewerb benachteiligen.

Die ohnehin negativen Bilanzen der italienischen Klubs waren durch den Verfall der Spielerpreise in dramatische Schieflage geraten. Die Vereine hatten den Wert ihrer Spieler auf Grund der Transferzahlungen zu den absoluten Boomzeiten des Spielermarkts in Europa kalkuliert und als Klubvermögen angesetzt. Diese extrem hohen Werte mussten nach dem Zusammenbruch des Transfermarktes nun in drastischem Umfang bereinigt werden. Die Spieler sind nun sehr vier weniger wert. Die Differenz in der Bewertung des Spielerwertes erscheint nun als Verlust in den Klub-Bilanzen, die ausgeglichen werden müssen. (APA/dpa)

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