Die Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta

19. Februar 2003, 14:42
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Die Spuren der Attentäter des 11. September führten nach Deutschland

Hamburg - Schon zwei Tage nach den verheerenden Anschlägen am 11. September 2001 in den USA führten Spuren nach Hamburg. Drei der vier entführten Flugzeuge wurden von Terroristen gelenkt, die in Hamburg ein unauffälliges Leben als "Schläfer" geführt hatten. Die drei waren Mohammed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah. Um Atta als mutmaßlichen Chef der Flugzeug-Entführer hatte sich nach Erkenntnissen der deutschen Bundesanwaltschaft eine Terrorzelle gebildet, die an Planung und Ausführung der Anschläge beteiligt war.

Die mutmaßlichen Mitglieder der Atta-Gruppe:

- Mohammed Atta, geboren am 1. September 1968 in Ägypten. Er gilt als der Mann, der am 11. September 2001 ein entführtes Passagierflugzeug in den Nordturm des World Trade Center in New York steuerte. Atta kam 1992 nach Deutschland, studierte Stadtplanung in Hamburg-Harburg und gründete dort eine Islam-Arbeitsgruppe. Ende 1998 zog er zusammen mit Bahaji und Binalshibh in eine Wohnung in Hamburg-Harburg. Vermutlich 1999 hielt er sich in einem afghanischen Ausbildungslager auf.

- Marwan Alshehhi, geboren am 9. Mai 1978 in den Emiraten, war vermutlich Pilot der Maschine, die den Südturm des Word Trade Center in New York traf. Er kam 1996 mit einem Stipendium nach Deutschland, war möglicherweise 1999 bei der Organisation El Kaida in Afghanistan und nahm von 2000 an zusammen mit Atta in den USA Flug-Unterricht.

- Ziad Jarrah, geboren am 11. Mai 1975 im Libanon, war vermutlich Pilot der bei Pittsburgh abgestürzten Maschine. Der Libanese begann 1996 in Deutschland einen Sprachkurs und studierte in Hamburg Flugzeugbau. Er machte ebenfalls in den USA eine Flug-Ausbildung.

- Ramzi Binalshibh, geboren am 1.5. 1972 im Jemen, wurde am 11. September 2002 im Karachi in Pakistan festgenommen. Er gilt als Organisator, "Bankier" der Gruppe und einer der engsten Vertrauten Attas. Nach seiner Einreise nach Deutschland 1995 gab er sich als Asylbewerber aus. Aus deutscher Sicht war er in die Planung der Anschläge eingebunden. Er habe sich vermutlich als Pilot beteiligen wollen, bekam aber kein Einreise-Visum für die USA.

- Said Bahaji, geboren am 15.07.1975 in Deutschland, gilt als Chef-Logistiker der Gruppe und soll seit 1999 die Anschläge mit geplant haben. Der Deutsch-Marokkaner studierte in Hamburg-Harburg. Kurz vor den Attentaten verschwand er. Seitdem wird er mit internationalen Haftbefehl gesucht wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des mehrtausendfachen Mordes.

- Mounir El Motassadeq (28), Student aus Marokko, war mit den Todes- Piloten befreundet. Er wohnte in der Nachbarschaft der Atta-Gruppe. Er studierte in Hamburg-Harburg und war Mitglied in Attas Islam-Gruppe. Im November 2001 wurde Motassadeq verhaftet und elf Monate später vor Gericht gestellt. Aus Sicht der Anklage war er "Statthalter" der Atta-Gruppe. Am Mittwoch wurde er wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Haft verurteilt.

- Zakariya Essabar, geboren am 3.4. 1977 in Marokko, kam 1997 nach Deutschland und studierte seit 1998 in Hamburg. Zwei Anträge auf ein US-Visum wurden 2000 und Anfang 2001 abgelehnt. Er war möglicherweise als Ersatzpilot für Binalshibh vorgesehen. Er ist seit August 2001 verschwunden und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

- Der Deutsch-Syrer Mohammed Haidar Zammar gilt als Statthalter Bin Ladens in Hamburg. Er soll Atta und dessen Komplizen in Hamburg für El Kaida rekrutiert haben. Der Deutsch-Syrer war oft Gast in Attas Wohnung. Nach dem 11. September wurde er in Hamburg verhört. Wenig später beantragte er einen Pass und verschwand Richtung Marokko. Im Juni 2002 wurde er festgenommen und nach Syrien gebracht. (APA/dpa)

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