Seibersdorfer wollen in Spitzenliga aufsteigen

19. Februar 2003, 18:43
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Provisorium statt Budget zwingt Austrian Research Centers zunächst auf Sparkurs

Wien - Österreichs größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die Austrian Research Centers (ARC) mit Seibersdorf als wichtigem Standbein, soll in Nischenbereichen Weltspitze werden. "Man muss irgendwo in der Spitzenliga mitspielen, sonst hat Forschung keinen Sinn", sagte der vor kurzem neu bestellte ARC-Geschäftsführer Erich Gornik in einer Pressekonferenz.

Gornik (58) ist Professor für Festkörperelektronik an der Technischen Universität Wien. Er wird seinen Job Anfang April antreten, arbeitet aber bereits jetzt an der strategischen Neuausrichtung mit.

Der Professor, der während seiner Karenzierung an der TU eine kleine Forschungsgruppe behalten will, wird bei ARC für den Bereich "Strategie und Programmatik der Forschungs- und Technologieentwicklung" zuständig sein. Helmut Krünes, der seit Anfang 2002 als ARC-Geschäftsführer tätig ist, verantwortet die strategische Unternehmenssteuerung. Den Bereich Finanzen und Gebarung teilen sich beide.

Sorgen mit den Finanzen

Gerade die Finanzen bereiten den Seibersdorfern derzeit Sorgen. Weil die neue Regierung auf sich warten lässt, gibt es statt eines Budgets noch immer ein Provisorium, und dieses sieht eine Mittelbindung um fünf Prozent vor. "Wir gehen davon aus, dass wir den gleichen Betrag an öffentlichen Mitteln bekommen wie im Vorjahr - 45,6 Mio. Euro -, haben aber trotzdem den Sparstift angesetzt im nicht forschungsrelevanten Bereich", sagte Krünes. "Dort werden wir zwei Mio. Euro sparen."

Ein Sonderforschungsprogramm im Volumen von 70 Mio. Euro sei vorbereitet, das angefahren werden soll, sobald das Geld da ist. ARC-Aufsichtsratspräsident Richard Schenz ist unter Hinweis auf diverse politische Bekenntnisse optimistisch, dass es zusätzliches Geld für die Forschung geben wird.

Teilung

Nach der Austöchterung der Bereiche Systemforschung, Business Services und Nukleare Dienste, die demnächst umgesetzt werden soll, will Krünes auch Seibersdorf selbst in zwei oder drei Gesellschaften zerlegen. Entschieden sei aber noch nichts, hieß es am Mittwoch. Schenz möchte eine Zwischenholding vermeiden, die Geschäftsführer der Holding müssten direkten Zugriff auf die Forschungsbereiche haben.

Was mit den bisherigen Geschäftsführern Wolfgang Pell und Günter Koch passiert, ist noch offen. "Wir bemühen uns, sie im Umfeld der ARC zu halten", sagte Schenz. (stro, DER STANDARD, Printausagabe 20.2.2003)

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