Impfung - ja oder nein?

19. Februar 2003, 14:27
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Weltweite Diskussionen um Notwendigkeit - Impfschäden können teilweise erheblich sein

Washington/Berlin/Tel Aviv - Zahlreiche Industrieländer schützen sich gegen einen möglichen "Pocken-Angriff". Doch es gibt schon bisher zahlreiche Probleme. Ausgerechnet in den USA gibt es heftigen Widerstand gegen die Immunisierungen. Aus Israel wird berichtet, dass jeder dritte Geimpfte Nebenwirkungen registrierte.

"Regierung soll endlich veröffentlichen, was sie weiß", titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Dienstag. Der Hintergrund: Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hatte Widersprüche zwischen Aussagen des deutschen Innenministers Otto Schily (SPD) und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bezüglich des angeblichen Bedrohungsszenarios ausgemacht. Auch FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle meldete sich zu Wort. "Wenn es keine Bedrohung gibt, warum werden dann 100 Millionen Pockenimpfungen für schätzungsweise 400 Millionen Euro bestellt?", fragte er.

Keine Haftung

Die Angelegenheit ist auf jeden Fall schwierig. In den USA - dort sollen rund 500.000 Angestellte in Krankenhäusern vorsorglich geimpft werden, insgesamt rund 200 Millionen Vakzin-Dosen wurden bestellt - kommt die Aktion seit ihrem Beginn am 24. Jänner 2003 kaum in Gang. In 18 von 37 mit dem Impfstoff belieferten US-Bundesstaaten ließen sich zunächst insgesamt nur rund 1.000 Personen impfen.

Der Grund für die Zurückhaltung, wie auch in US-Medien zu lesen war: Die rechtliche Haftung für Impfschäden ist offenbar nicht geregelt - und die Spitäler fürchten Klagen. Laut FAZ wurden bei 100.000 Geimpften unter den US-Armeeangehörigen drei Fälle von schweren Nebenwirkungen gemeldet.

Warnung vor möglichen Folgen

In Israel wurden bisher 20.000 Menschen gegen die Pocken neu immunisiert. Ein Drittel von ihnen klagte über Müdigkeit. Ein weiteres Drittel registrierte Kopf- bzw. Gliederschmerzen.

Nach Überzeugung des Göttinger Virologen Reiner Thomssen würde eine Massenimpfung das Leben vieler Menschen gefährden. Daher sei das Vorhaben höchst fragwürdig, schrieb Thomssen vor kurzem in der "Deutschen Medizinischen Wochenschrift". Die häufigste lebensbedrohliche Komplikation der Pockenimpfung sei eine Entzündung des Gehirns, die so genannte postvakzinale Enzephalitis. Sie verlaufe oftmals tödlich oder führe zu bleibenden schweren Behinderungen.

Abwarten

In Großbritannien - das Land bestellte 60 Millionen Dosen an Pocken-Impfstoff - setzen die Behörden auf ein ähnliches Konzept wie in Österreich. Vorsorglich wurde noch niemand geimpft. Frankreich: Bis zum April dieses Jahres sollen 70 Millionen Vakzin-Dosen vorhanden sein. Die Armee hatte ehemals 55 Millionen auf Lager gelegt. In den vergangenen Tagen wurde mit den ersten Impfungen begonnen: Bei 150 Freiwilligen aus den Reihen von Feuerwehrleuten, Krankenhausangestellten und Exekutive.

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