Syrien zieht weitere Soldaten aus dem Libanon ab

20. Februar 2003, 14:58
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Israel zieht Truppen an libanesischer Grenze zusammen

Beirut/Jerusalem - Syrien hat den angekündigten Teilabzug seiner Truppen aus dem Nordlibanon fortgesetzt. Die ersten Stellungen seien am Mittwoch geräumt worden, berichteten Augenzeugen am Donnerstag. Das israelische Fernsehen meldete unterdessen starke israelische Truppenkonzentrationen an der libanesischen Grenze. Es handle sich um Sicherheitsvorkehrungen gegen mögliche Angriffe der pro-iranischen Schitenmiliz Hisbollah.

Israelische Medien hatten unter Berufung auf israelische Geheimdienstkreise Syrien beschuldigt, ungeachtet der Zusage, mit den USA im globalen Antiterrorkampf zu kooperieren, bis zu 200 Al-Kaida-Terroristen in den südlichen Libanon geschleust zu haben. Die Libanon-Zentrale der syrischen Geheimdienste ("Moukhabarat") befindet sich in Anjar in der Bekaa-Ebene. Seit dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon im Mai 2000 hatte Syrien sein Truppenkontigent erheblich reduziert.

Wie aus libanesischen Sicherheitskreisen zu erfahren war, wird der Rückzug von 3.500 syrischen Soldaten aus den nordlibanesischen Christen-Bezirken Zghorta und Batroun-Koura voraussichtlich fünf Tage dauern. Westliche Diplomaten in Beirut und die libanesische Presse sehen die Maßnahme in direktem Zusammenhang mit der Irak-Krise. Damaskus wolle damit der antisyrischen christlichen Opposition im Libanon vor Augen führen, dass es die Situation in jedem Fall unter Kontrolle habe und mit einer Truppenreduzierung kein Risiko eingehe. Damaskus wolle "am Vorabend eines Erdbebens, dass der Region bevorsteht" sein Image im Westen aufpolieren, schrieb der Herausgeber der größten libanesischen Zeitung "An Nahar", Gibran Tueni.

Syrien hat auf der Grundlage eines Beistandspakts noch rund 18.000 - von ursprünglich über 30.000 - Soldaten im Libanon stationiert. Die libanesische Armeeführung hatte am Vortag angekündigt, der Teilabzug erfolge auf Anweisung der beiden Staatspräsidenten Bashar Assad und Emile Lahoud. Am Donnerstag war aber zunächst unklar, ob alle abziehenden Truppen nach Syrien zurückkehren oder ob ein Teil in anderen Regionen des Libanon stationiert werden soll.

Der prominente christliche libanesische Oppositionsabgeordnete Boutros Harb, ein scharfer Gegner der syrischen Präsenz im Land, würdigte den Teilabzug als "positiven Schritt", der die Souveränität des Libanon stärke. Die Gestaltung der Beziehungen zu Syrien, das seit dem Bürgerkrieg 1975-90 als Schutzmacht im Libanon militärisch präsent ist, war im demokratisch gewählten Parlament in Beirut wiederholt Gegenstand heftiger Debatten. Zwischen Syrien und dem Libanon besteht seit 1991 ein Beistandspakt, der politische Konsultationen in allen wichtigen Fragen vorsieht.

Staatspräsident Lahoud hat die Libanon-Politik Syriens als "Faktor der Stabilität" charakterisiert. Lahoud, der auch amtierender Vorsitzender der Arabischen Liga ist, warnte die USA vor einem Militärschlag gegen den Irak, da "die arabischen Völker ihn nie akzeptieren würden".(APA/AP)

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