Ingo Metzmacher verlässt Hamburg

19. Februar 2003, 19:43
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Künstlerischer Leiter der Oper wird seinen bis 2005 laufenden Vertrag nicht verlängern - Kritik an Kulturpolitik

Hamburg - Der künstlerischer Leiter der Hamburgischen Staatsoper, Ingo Metzmacher, will seinen im Juli 2005 endenden Vertrag nicht verlängern. Das hat der Generalmusikdirektor am Mittwoch in einem Brief an Kultursenatorin Dana Horakova mitgeteilt. Gleichzeitig übte Metzmacher in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" scharfe Kritik an der Hamburger Kulturpolitik. Er sehe keine Perspektive für seine künstlerische Arbeit in der Hansestadt, da es keine verlässlichen Aussagen über Gelder für Oper und Philharmonisches Staatsorchester von 2005 an gebe.

Kulturbehörde "überrascht"

"Der Brief traf hier per Bote ein und hat uns überrascht", sagte der Sprecher der Kulturbehörde in einer ersten Stellungnahme. Metzmacher selber war abgesehen von seiner kurzen Pressemitteilung nicht zu Erklärungen bereit. Der Orchestervorstand hat Respekt für die Entscheidung Metzmachers geäußert. Die Gründe seien nachvollziehbar. "Unter den gegebenen Umständen wird kein international renommierter Dirigent die Nachfolge von Ingo Metzmacher antreten wollen", hieß es.

In dem "Zeit"-Interview sagte Metzmacher, die Kultursenatorin habe keine Perspektive für die Zukunft der Hamburger Oper und des Philharmonischen Staatsorchesters aufzeigen können. "Mir schlägt nur noch eine große Ratlosigkeit entgegen. Die Politiker wissen nicht mehr, wohin der Weg gehen soll", sagte der Generalmusikdirektor. "Hamburg ist die zweitgrößte Stadt in Deutschland und will die Olympischen Spiele. Da finde ich es einfach keine verantwortliche Politik, wenn die Stadt ihre Oper und ihr Orchester hängen lässt."

"Das Geld wird immer weniger"

Der Dirigent, der die Hamburgische Staatsoper seit 1997 musikalisch leitet, befürchtet, dass sein Haus auf einen "langsamen Tod" zusteuert, wenn die Stadt nicht für Planungssicherheit und angemessene finanzielle Rahmenbedingen sorgt. "Seit zehn Jahren ist der Zuschuss für die Oper gleich geblieben, aber die Kosten, vor allem die Personalkosten, sind immens gestiegen. Das Geld, das für die Kunst zur Verfügung steht, wird immer weniger", sagte Metzmacher. Zwei geplante Opernproduktionen, Olivier Messiaens "Saint Francois d'Assise" und "Les Troyens" von Hector Berlioz, habe man für die kommenden Spielzeiten bereits kippen müssen.

Außerdem beklagt Metzmacher die Orientierungslosigkeit der Hamburger Kultursenatorin in künstlerischen Fragen. "Wir haben ja ein klares künstlerisches Profil an der Oper gezeigt. Wir versuchen ein avanciertes Programm zu machen und riskieren manchmal auch etwas. Dazu kann man sich verhalten und sagen: Macht weiter so. Oder man sagt eben: Wir wollen was anderes. Aber es muss doch von Seiten der Politik eine Willenserklärung geben. Irgendein Bekenntnis!"

Metzmacher zählt zu den großen Fürsprechern der musikalischen Moderne. Vor allem in seinen Konzerten mit den Philharmonikern ist er bemüht, die Musik des 20. Jahrhunderts neuen Publikumsschichten zu vermitteln. (APA/dpa)

  •  Ingo Metzmacher
    foto: standard/cremer

    Ingo Metzmacher

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