Deutschland erwägt auch Zwangsimpfungen

19. Februar 2003, 14:17
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Dreistufiger Abwehrplan potenzieller Pocken-Angriffe vorgestellt

Berlin - Angesichts eines möglichen Pocken-Angriffs von Terroristen wollen in Deutschland Bund und Länder bis Ende September dieses Jahres hundert Millionen Impfdosen gegen die tödliche Krankheit besorgen. Diese sollen zum Einsatz kommen, wenn irgendwo in der Welt die eigentlich ausgerottete Viruserkrankung auftritt. So lange kann gewartet werden, weil ein Mensch auch noch vier Tage nach der Berührung mit Pocken per Impfung sicher geschützt werden kann. Für den Fall der Fälle haben die deutschen Experten einen Drei-Stufen-Plan vorbereitet. Die Grundzüge:

- Die erste Phase beginnt genau genommen schon vor dem Auftreten des ersten Pockenfalls. Diese soll von den Bundesländern ausgerufen werden. Dann werden ganz gezielt einzelne Personen geimpft. Dazu gehören unter anderem die Mitglieder einer "Schnellen Eingreiftruppe" des Robert-Koch-Instituts in Berlin, die bei Pocken-Verdacht ausrücken und diesen überprüfen müssen. Auch die Mitarbeiter der betroffenen Labors werden geimpft. Alles in allem wären von Phase eins Schätzungen zufolge nur bis zu tausend Menschen in Deutschland betroffen.

- Deutlich weiter wird der Kreis in Phase zwei gefasst. Sie tritt ein, wenn irgendwo in der Welt ein Pockenfall auftritt. Dann soll in ganz Deutschland medizinisches Personal geimpft werden. Außerdem bekommen alle Menschen die möglicherweise lebensrettende Spritze verpasst, die von ihrem Job her für die Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens gebraucht werden - also beispielsweise Feuerwehrleute und Polizisten.

- Die dritte Phase müsste ausgerufen werden, wenn in Deutschland Pocken registriert werden. Dann werden so genannte Riegel-Impfungen vorgenommen. Das bedeutet, dass flächendeckend um den Auftrittsort des tödlichen Virus geimpft wird, um diesem sozusagen einen Riegel vorzuschieben. Mit dieser Methode hat die Weltgesundheitsorganisation die Pocken ehemals weltweit ausgerottet. Sollte also beispielsweise in Berlin ein Fall auftreten, müssten wohl alle Hauptstäder zur Impfung. Wer dazu nicht bereit ist, kann dazu laut deutschem Infektionsschutzgesetz sogar gezwungen werden. (APA)

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