Hinter den Ängsten kann Nicht-Verarbeitetes aus der Vergangenheit stecken. Positive Aspekte betonen hilft dabei, die Phobien zu überwinden
Wien - In ein Flugzeug zu steigen und in den Himmel zu verschwinden - was für die meisten Leute nach dem Beginn einer schönen Urlaubsreise klingt, ist für Flugangst-Betroffene der blanke Horror. Das Gleiche bedeuten Meer und See für Menschen mit einer Wasserphobie. Das Grundprinzip einer Therapie sei es, sich der Angst zu stellen - das sollte begleitend erfolgen, erklärte der Psychologe und Pilot Peter Grössenbrunner im APA-Gespräch. Es gehe darum, "Angst, die man erlernt hat, wieder zu verlernen".
Hinter Flugangst könne z. B. Erlebtes, aber Nicht-Verarbeitetes aus der Vergangenheit stecken, weshalb man individuell auf die Person eingehen müsse, meinte der Psychologe, der 38 Jahre Verkehrspilot war, noch immer fliegt und jahrelange Erfahrung in der Flugangstbehandlung hat. Bei einer Therapie kommen u. a. kognitive und Desensibilisierungsmethoden zum Einsatz. Letztere sei ein "Herantasten" an den Punkt, an dem die Angst einsetzt: Hier könne man dann beginnen, "das Gefühl aufzuarbeiten und auszutauschen", beispielsweise die Empfindung "Ich bin im Flugzeug eingeschlossen" mit "Ich bin geschützt von außen" auswechseln.
Auch eine Kurztherapie nach de Shazer - bei der die positiven Aspekte betont werden - könne man anwenden und in Phasen, in denen die Angst einsetzt, sollte man Entspannungsübungen machen. Von einer Schocktherapie hält der Experte nicht allzu viel. Neulingen oder Wenigfliegern könnten auch die von verschiedenen Fluggesellschaften angebotenen Seminare helfen: "Hier bekommt man einen Einblick, was alles passiert und man erkennt, dass Sicherheit geboten wird", so Grössenbrunner.
Angst vor Wasser
Seltener als die Flugangst ist die Wasserphobie: Das Wasser sei dabei quasi nur das Mittel, man müsse herausfinden, was die eigentliche Angst sei, meinte der auf Phobien spezialisierte Psychologe Hans Morschitzky im APA-Gespräch. So sei es ein Unterschied, ob sich der Betroffene davor fürchte, beim Schwimmen so viel Nass zu schlucken, dass man untergeht oder von einem Schiff nicht jederzeit weg zu können.
Die Wasserphobie zählt wie die Flugangst zu der Gruppe der "Speziellen Phobien": Innerhalb derer finden sich laut Morschitzky Flugangst beim sogenannten situativen Typus und die Wasserphobie beim Umwelt-Typus, bei dem Naturgewalten wie Sturm, Blitz, Feuer eine Rolle spielen. Generell könnte es schon sein, dass letzterer noch Reste menschlicher Urängste darstelle, vergleichbar mit der Angst vor dem Dunkeln, weil Unbekannten, meinte der Experte. "In der Regel haben wir im Rahmen unserer Sozialisierung gelernt, damit umzugehen."
Jedenfalls sollte man rasch etwas gegen die Angst tun und nicht vor ihr fliehen, sonst könne es sein, dass sie sich auf die gleiche oder ähnliche Weise wieder einschleicht, so Grössenbrunner. Übrigens sollten Freunde eines Betroffenen dessen Angst niemals abwerten: Das käme einer Abwertung der Person gleich. (APA)