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Der Vøringsfossen ist wie die Abenteuerstraße selbst: Tatsächlich handelt es sich dabei um ein weitverzweigtes Netz von (Wasser-)Wegen.
Das Sträßchen nach Bergsjøstølen in der Gebirgslandschaft des Hemsedalsfjells ist nicht leicht zu finden. Unten im Tal, im südnorwegischen Hallingdal, müssen wir oft fragen, bis uns ein Tankwart schließlich eine Wegskizze zeichnet, nicht ohne uns zu warnen, die Straße sei sehr schlecht.
Zunächst geht es noch über einen Asphaltweg in die Berge hinauf, doch dann kommt ein "Bom", ein Schlagbaum an einer Mautstelle. Und tatsächlich werden die Wege nun immer miserabler - die Landschaft wird immer großartiger. Die letzten Häuser von Hol bleiben zurück, nur hier und da gibt es noch ein paar buntgestrichene, fotogene Holzhütten.
Dann ist es, als ob in einem großen Bilderbuch eine Seite umgeblättert würde. So weit wir schauen können, umgibt uns eine von Hügeln und Kuppen durchsetzte Landschaft mit niedriger Strauchvegetation, kleine Seen sind überall eingebettet, am Horizont stehen mächtige Gebirgsmassive, deren Gipfel auch jetzt im Sommer noch schneebedeckt sind.
Gelegentlich passieren wir Almhütten; Schafe und Ziegen streifen frei durch die Gegend, zeigen keinen sonderlichen Respekt vor unserem Wagen. Ein Schneehuhn trippelt mit seinen Küken über die Straße, verschwindet zwischen Heidekraut und Beerensträuchern.
Am Ufer des Bergsjø, eines weitverzweigten Gebirgs-sees finden wir unser Ziel, Bergsjøstølen, die Bergseealm, wie man diesen norwegischen Namen übersetzen kann. Es ist ein einfaches, kleines Holzhaus, wo wir Quartier finden und am Abend vorwiegend mit Mountainbikern im Speisesaal das Abendessen genießen. Karte gibt es keine hier heroben, aber, wie zumeist in solchen norwegischen Unterkünften, ein reich sortiertes Buffet, warm und kalt.
Whirlpool vom Wirt
Auch wenn wir noch weit vom Polarkreis entfernt sind, wird es in Bergsjøstølen nicht mehr richtig dunkel. Der Abend ist lang und hell. Wir schauen uns um, sehen den Badeplatz am See und hören vom Wirt, dass das Wasser kaum wärmer wird als 15 Grad. Dafür hat er einen großen Holzbottich am Seeufer gezimmert, in dem das Wasser erwärmt wird wie in einem Whirlpool. Ein Stück weiter steht ein in den Hang gebauter Räucherofen. Hier werden wir in den nächsten Tagen frische Forellen und Saiblinge als Souvenir für zu Hause haltbar machen.
Die einsame Touristenstation ist nur eine von fast hundert entlang der Eventyrveien, der norwegischen Abenteuerstraße. Sie verbindet die alte Hansestadt Bergen im Westen des Landes mit der Hauptstadt Oslo. Allerdings ist diese Themenstraße vielmehr ein ganzes Netz aus Varianten dieser Straße, das Südnorwegen einfängt und immer wieder andere Höhepunkte eines faszinierenden Landes präsentiert. So unterschiedlich die Interessen der Norwegenreisenden nämlich sind, ist auch das Angebot: Das reicht von Expeditionen in die Einsamkeit à la Bergsjøstølen bis hin zum stärker nachgefragten Nervenkitzel einer Fahrt mit der Flåmbahn hinab zum Aurlandsfjord, einem Arm des großen Sognefjordes.
Die weite Hochebene
Den Besuch des Informationszentrums im Hardangervidda-Nationalpark, genauer gesagt in Eidfjord, sollte kein Reisender versäumen, ehe er, von Westen kommend, in die Berge hinauffährt. Um große Teile der Hardangervidda, Europas größter unbewohnter Hochfläche, zu sehen, wird man praktisch immer zu wenig Zeit haben. Die Ausstellung wie auch ein Film im Nationalparkzentrum geben zumindest einen beeindruckenden Überblick über die Vielfalt der Hochebene.
Einige der größten Wasserfälle Europas, wie etwa der Vøringsfossen, sind dennoch gut über die Straße erreichbar. Stabkirchen und Freilichtmuseen säumen die Abenteuerstraße sowieso, aber eben auch hochgelegene, wenig touristische Almen, auf denen noch die traditionelle Wirtschaft betrieben wird und wo überdies überlieferte bäuerliche Gerichte serviert werden.
Sehr gefragt sind zudem die Mountainbiketouren auf dem Rallareweg entlang der Bergensbahn oder auf den Skipisten von Geilo, ebenso die Raftingtouren auf reißenden Gebirgsflüssen. Kinder, aber nicht nur sie, sind begeistert vom Langedrak-Tierpark, in dem ausschließlich nordische Tiere wie die sehr seltenen Polarfüchse zu sehen sind.
Wer nur zwei Wochen Zeit hat, sollte nicht versuchen, die gesamte Eventyrveien auf einer einzigen Reise kennenzulernen. Der Mut zur Lücke wird mit intensiveren Erlebnissen belohnt, gerade wenn man einige Seiten in diesem südnorwegischen Bilderbuch überblättert. (Christoph Wendt/DER STANDARD/Printausgabe/19./20.7.2008)
Informationen:
eventyrveien.no
visitnorway.com
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