Algorithmus spürt Modewörter auf

19. Februar 2003, 12:10
posten

Der politische Diskurs und was ihn prägt - Computerwissenschafter erhebt Leitbegriffe der Geschichte

Denver - Ein Computerwissenschaftler an der Cornell University in Ithaca hat eine Methode entwickelt, mit der ein Computer diskussionsbeherrschende Wörter im Internet aufspürt. Ein neuer Suchalgorithmus ermöglicht es, eine große Anzahl von Webseiten darauf hin zu scannen, ob in einem definierten Zeitraum bestimmte Wörter zu erkennen sind. Die Methode wurde auf dem Jahrestreffen der American Association for the Advancement of Science vorgestellt.

Der von Jon Kleinberg entwickelte Algorithmus ermöglicht nicht nur, die Häufigkeit an sich zu messen, sondern auch die im Lauf der Zeit auftretende Steigerung der Worthäufigkeit. Kleinberg wendete seine Methode bereits für eine Analyse der Reden zur Lage der Nation an, die US-Präsidenten zwischen 1790 und 1999 hielten. Dabei stellte er unter anderem fest, dass in den 50-er und 60-er Jahren das Wort "Kommunist" am häufigsten vorkam, in den 70-er Jahren "Energie". Die Vermittlung des "Wir"-Gefühls setzte in den 80-er Jahren mit "we are" und "we have" und "we will" ein. Wörter wie "Job" und "Verbrechen" dominierten die 90-er Jahre. Dass diese Begriffe die amerikanische Geschichte kennzeichnen, ist bereits bekannt, erklärt Kleinberg. Einem Computer allerdings nicht, womit, wie sich zeigte, dieser ohne es zu "wissen", diese Trends bestätigte.

Der Computerspezialist ist überzeugt, dass diese Technik Suchanfragen deutlich verbessern kann. Für Soziologen könnte sie zum Beispiel für die Untersuchung gegenwärtiger Entwicklungen interessant sein. (pte)

  • Artikelbild
    grafik: derstandard.at
Share if you care.