ProSiebenSat.1: 2002 Gewinneinbruch von fast 80 Prozent

19. Februar 2003, 11:21
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Verbesserung des Ergebnisses nur durch Sparmaßnahmen - Sat.1 und N24 noch immer mit Verlusten

Deutschlands größter TV-Konzern ProSiebenSat.1 hat vor allem wegen sinkender Werbeeinnahmen im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von fast 80 Prozent verzeichnet. Die Zahlen lagen jedoch im Rahmen der Analystenerwartungen.

Nach Steuern sei der Gewinn 2002 auf 15 Mio. Euro von 68 Mio. Euro im Vorjahr gefallen, teilte die Tochter der insolventen KirchMedia am Mittwoch mit. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) fiel auf 134 (Vorjahr: 225) Mio. Euro und lag damit unter der eigenen Prognose der Senderfamilie von 140 bis 160 Mio. Euro. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Ebitda von 130 Mio. Euro und einem Gewinn nach Steuern von sieben Mio. Euro gerechnet. Der Umsatz fiel den Angaben zufolge um sechs Prozent auf 1,895 Mrd. Euro.

Erholung des Werbemarktes für die zweite Hälfte 2003 erwartet

Eine Erholung des Werbemarktes erwartet der Konzern frühestens für die zweite Hälfte des Jahres 2003. Die Sendergruppe könne mit dem Geschäftsverlauf 2002 nicht zufrieden sein, habe aber mit Einsparungen frühzeitig auf den schwachen Werbemarkt reagiert, erklärte Konzernchef Urs Rohner am Mittwoch. Eine konkrete Prognose für 2003 wollte Rohner nicht wagen. Der Konzern strebe deutliche Verbesserungen der "Performance" in 2003 und den Folgejahren an.

Deutschland hat "Talsohle noch nicht erreicht"

Das erste Quartal werde im Werbemarkt noch schwächer als im Vorjahr ausfallen. "Während beispielsweise in Großbritannien und in den USA die Werbeinvestitionen allmählich wieder steigen, hat Deutschland die Talsohle noch nicht erreicht", hieß es in der Mitteilung. Die Aussicht für das Gesamtjahr bleibe unsicher. Unklar sei vor allem, welche Folgen ein Irak-Krieg für das Konsumklima hätte.

Rohner: Profitabilität unter Beweis gestellt

"Die ProSiebenSat.1-Gruppe hat ihre Profitabilität im Jahr 2002 unter schwierigsten Bedingungen unter Beweis gestellt", sagte Rohner. Von den vier Sendern schreiben Sat.1 und der Nachrichtensender N24 aber immer noch Verlust. Der Konzern hatte seine Prognose für 2002 mehrmals nach unten korrigiert und zuletzt ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 140 und 160 Mio. Euro prognostiziert. Das tatsächliche EBITDA lag mit 134 (Vorjahr: 225) Mio. Euro noch darunter. Rohner hatte aber bereits im Dezember gewarnt, ProSiebenSat.1 könnte seine Gewinnprognosen verfehlen.

Bald neuer Mehrheitsgesellschafter

Der Münchner Konzern, der wegen der Insolvenz seiner Muttergesellschaft KirchMedia bald einen neuen Mehrheitsgesellschafter bekommen wird, teilt sich den deutschen Privatfernsehmarkt mit der RTL Gruppe. Die Bertelsmann-Tochter verbuchte in ihrem Kernmarkt Deutschland ebenfalls einen Umsatzrückgang im vergangenen Jahr, nahm dem Konkurrenten mit der Erfolgssendung "Deutschland sucht den Superstar" aber Marktanteile ab. Die Quote der Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern sank 2002 auf 28,1 Prozent von 30,1 Prozent.

Sparmaßnahmen

Wegen des weiter schwachen Werbemarktes kann ProSiebenSat.1 eine Verbesserung des Ergebnisses nur durch Sparmaßnahmen erreichen. Trotz der Kosten für die Fußball-Weltmeisterschaft sank der Programm- und Materialaufwand im vergangenen Jahr schon um zwei Prozent auf 1,378 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will ProSiebenSat.1 vor allem die Preise der teuren Sportrechte drücken, wie zum Beispiel für die Fußball-Bundesliga. "Das ist die entscheidende Frage - inwieweit kann ProSieben noch seine Programmkosten senken ohne weiter Zuschaueranteile zu verlieren", sagte Jan Herbst, Analyst bei Sal. Oppenheim. (APA/Reuters)

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