VW: Autokrise drückt Gewinn unter vier Milliarden Euro

19. Februar 2003, 13:49
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Wegen unsicherer weltpolitischer Lage und Konjunkturschwäche keine detaillierte Prognose für 2003

Wolfsburg - Die Autokrise hat die lange VW-Rekordfahrt gestoppt. Gleichzeitig blicken die Wolfsburger angesichts andauernder Konjunkturschwäche und vieler hausinterner Probleme in eine ungewisse Zukunft. 2002 schrumpfte der Gewinn vor Steuern um mehr als 10 Prozent auf 3,99 Mrd. Euro, der Reingewinn sackte um 11,3 Prozent auf knapp 2,6 Mrd. Euro ab. Dagegen fiel der Umsatz lediglich um 1,8 Prozent auf 86,95 Mrd. Euro, teilte der deutsche Autohersteller am Mittwoch mit. Einen Ausblick auf 2003 gab VW nicht. Vorstandschef Bernd Pischetsrieder hat aber mehrfach erklärt, er rechne erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer Erholung und 2004 mit einer Wende.

Trotz des gesunkenen Gewinns will Volkswagen wie im Vorjahr 1,30 Euro Dividende für die Stammaktie und 1,36 Euro für die Vorzugsaktie zahlen. Die Anleger reagierten kaum auf die Informationen: "Die Zahlen sind ein Non-Event, weil sie voll in den Erwartungen liegen", kommentierte ein Analyst. So notierte die Aktie am Vormittag mit rund 36 Euro nur um etwa ein Prozent schwächer als zuvor.

Erlahmendes Interesse an Golf

Tatsächlich verraten die Daten aber einiges über Probleme des Konzerns, die der neue Chef Pischetsrieder binnen Jahresfrist noch nicht entscheidend verändern konnte: Das erlahmende Interesse an dem in die Jahre gekommenen Golf und die erst jetzt mit dem Touran geschlossene Lücke im Wachstumssegment Mini-Van haben Absatz und Marktanteile gekostet. Bei der schwachen Konjunktur hat vor allem die völlig unerwartete Wachstumsexplosion in China den Konzern vor einem noch tieferen Absturz bewahrt. So gab es lediglich ein Absatzminus von 1,9 Prozent auf 4,98 Millionen Fahrzeuge.

Doch gleichzeitig mit dem Gewinnrückgang muss das Unternehmen für neue Modelle tief in die Tasche greifen: Mit 9,12 Mrd. Euro lagen die Investitionen 2002 gleich um 17,5 Prozent über denen von 2001, als Ferdinand Piech mit einem rauschenden Ergebnis von der Autobühne abtrat. Deshalb ging das operative Ergebnis als Hinweis auf die effektive Geschäftspolitik um 12,2 Prozent auf 4,76 Mrd. Euro zurück. Beim Vorsteuergewinn gelang mit einem Minus von 9,6 Prozent auf 3,99 Mrd. Euro die Punktlandung, nachdem Pischetsrieder im Sommer die Prognose entsprechend nach unten korrigiert hatte.

Konzernprodukte sind sich zu ähnlich

Der Bayer badet jetzt einige Folgen Piech'scher Politik aus: Viele Konzernprodukte sind sich zu ähnlich, die Zyklen wichtiger Modelle wie Golf und Passat liegen zu dicht beieinander. Und auch in Sachen Qualität muss Pischetsrieder nacharbeiten - die selbst ernannte Premiummarke VW musste kurz nacheinander gleich zwei peinliche Rückrufaktionen wegen technischer Probleme mit Motoren starten. Neben einem dreistelligen Millionenaufwand ist der Imageschaden nach Eingeständnis von Vorstandsmitgliedern kaum absehbar.

Auch der von Piech betriebene Einstieg in das Luxussegment gelingt nur mit Stolpern. Nachdem sich der intern zunächst hoch gelobte W-8-Motor schon im Passat als nicht zugkräftig genug herausstellte, musste für den Phaeton ein anderes 8-Zylinder-Triebwerk her. Da auch der von Kunden gewünschte 10-Zylinder-Diesel im Phaeton lange fehlte, läuft der Absatz nicht wie gewünscht.(APA/dpa)

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