Nazi-Prozess in Wels: Befragung der Angeklagten hat begonnen

17. Juli 2008 13:14
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    Foto: apa/rubra

    Die 77-seitige Anklageschrift wirft drei der Beschuldigten vor, im Zeitraum von Oktober 2001 bis Jänner 2003 den BfJ auf Basis von NS-Gedankengut geschaffen zu haben, um "durch dauerhafte Wiederbetätigung und Propaganda die verfassungsmäßige Struktur der Republik Österreich durch eine Volksgemeinschaft nationalsozialistischer Prägung zu ersetzen".

Der "Vorsitzende" des "Bund freier Jugend" bestreitet die ihm zur Last gelegten Aktivitäten, das BfJ sei lediglich als "Alternative zur Spaßgesellschaft" gegründet worden

Wels - Beim Geschwornenprozess im Zusammenhang mit Wiederbetätigung im nationalsozialistischen Sinn gegen fünf Aktivisten des "Bundes freier Jugend" (BfJ) hat am Donnerstag im Landesgericht Wels in Oberösterreich die langwierige Befragung die Angeklagten begonnen. Ihnen wird vorgeworfen, ihre Organisation sei eine "direkte Neuschöpfung der Hitler-Jugend". Den Angeklagten - für sie gilt die Unschuldsvermutung - drohen im Fall einer Verurteilung zehn bis 20 Jahre Haft, in Extremfällen sieht das Gesetz sogar lebenslänglich vor. Der Prozess soll morgen, Freitag fortgesetzt werden, ein Urteil ist dabei noch nicht zu erwarten.

Vorwurf: BfJ auf Basis von NS-Gedankengut geschaffen

Die 77-seitige Anklageschrift wirft drei der Beschuldigten vor, im Zeitraum von Oktober 2001 bis Jänner 2003 den BfJ auf Basis von NS-Gedankengut geschaffen zu haben, um "durch dauerhafte Wiederbetätigung und Propaganda die verfassungsmäßige Struktur der Republik Österreich durch eine Volksgemeinschaft nationalsozialistischer Prägung zu ersetzen". Sie hätten sich als Leiter, dessen Stellvertreter und "Propagandachef" führend in der Organisation betätigt. Zwei weitere seien als "Leiter der Einsatzgruppe" und als rechtlicher Berater aktiv gewesen. Die Vorwürfe werden von allen zurückgewiesen.

Bevor die Befragung des ersten Angeklagten beginnen konnte, verlangte einer der beiden Verteidiger, Herbert Schaller, eine weitere Gegenäußerung zur Anklage, die wegen ihm inzwischen zugänglichen Unterlagen im Verfahren erforderlich sei. Richterin Birgit Ahammer gestand ihm dies zu. Schaller erklärte dann, dass er vom Staatsanwalt klare Beweise für Wiederbetätigung seiner Mandanten verlange, etwa das Eintreten für Judenverfolgung, für die Abschaffung anderer Parteien oder die Errichtung von Konzentrationslagern. Ansonsten sei die Anklage nur der Versuch, Andersdenkende zum Thema Zuwanderung mit Hilfe des Strafrechtes auszuschalten. Seine Mandanten hätten sich nur mit diesem Thema beschäftigt und das werde ihnen nun als nationalsozialistisch vorgeworfen.

Kulturelle Veranstaltungen wie "Sonnwendfeuer"

Der erste befragte Angeklagte war der "Vorsitzende" des BfJ. Dieser sei gegründet worden als "Alternative zur Spaßgesellschaft" und sollte jungen Menschen eine Freizeitbeschäftigung ohne Alkohol und anderen Drogen und ohne Gewalttätigkeit bieten. Organisiert worden seien unter anderem Wanderungen, politische Veranstaltungen - sogenannte "Gesprächskreise" und kulturelle Veranstaltungen wie "Sonnwendfeuer". Es seien eine Homepage und eine Zeitschrift gestaltet worden, doch habe er damit eigentlich nichts zu tun gehabt. Erst auf Nachfrage des Staatsanwaltes gestand der Angeklagte ein, dies zwar organisiert zu haben, aber inhaltlich habe er sich damit nicht beschäftigt. Für nationalsozialistisches Gedankengut habe er sich nie interessiert, erklärte der Angeklagte. Es habe keine Mitglieder gegeben, keine Mitgliedsbeiträge und keine Funktionäre.

Auch mit dem "Tag der Volkstreuen Jugend" am 17. März 2007 in St. Johann im Pongau (Salzburg), der von der Exekutive aufgelöst wurde und schließlich zur Festnahme von ihm und zwei weiteren mutmaßlichen Rädelsführern führte, habe er nichts zu tun gehabt. Allerdings musste er eingestehen, dass er das Lokal dafür bestellt und daran "nicht als Mitwirkender, sondern als Gast" teilgenommen hat. (APA)

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Marlon62
25.07.2008 09:55
"Alternative zur Spaßgesellschaft"

Oder: "Andere haben Spaß, wir machen ernst."

Fete Blanche
18.07.2008 14:55
Ich will ja nichts sagen,....

...ausser dass mir rechts und linksextreme auf den Senkel gehen, aber bei Linksaussen wird weggeschaut, da steht selten einer vor Gericht obwohl Kommunismus sicher die gleichen Verbrechen verbockt hat wie der Nationalsozialismus. Da wird mit zweierlei Mass gemessen und das ist eine Sauerei.

Tier40
18.07.2008 09:33
Umsturzversuch?

Das Dritte Reich wiederzuerrichten ist genauso unmöglich wie die Wiederherstellung des Imperium Romanum.

Eien Handvoll Jungerwachsener schafft das sicher nicht.

Haben die Staatsanwälte keine Angst,
sich lächerlich zu machen mit diesen abstrusen Verschwörungstheorien?

Cain.Farmer
 
21.07.2008 12:27
aehm?

nein :D

G e o r g
18.07.2008 17:43

Bitte sinnerfassend lesen: Die Anklage lautet auf Wiedererrichtung einer NS-Organisation, nicht auf Wiedererrichtung des "Dritten Reichs".

Comedian
18.07.2008 01:49
2001 bis 2003?

Sorry, wenn solche Prozesse nicht zügiger gehen, bleiben lassen.

Gruß, Comedian

G e o r g
18.07.2008 17:42

2001-2003 war die Anfangsphase des BFJ. Die Verdächtigen wurde Anfang 2007 verhaftet. Der Prozess begann mehr als ein Jahr später im Juni 2008.

Melchior Kreutzer
17.07.2008 22:59

10-20 jahre haft für diese (zumindest laut diesem artikel) äußertst dürre anklage für einen demokratischen rechtsstaat äußerst fragwürdig.

auch wenn die beschuldigten unappetitliches braunes gedankengut verbreitet haben, ist dieser strafrahmen ist völlig überzogen.


G e o r g
18.07.2008 17:40

Die Mindeststrafen sollten meiner Meinung nach gesenkt werden.
Übrigens: Den Angeklagten wird vorgeworfen, eine NS-Organisation wiederzuerrichten.

Ravenspower
17.07.2008 22:47
Wo ist Schaden entstanden?

die anklage ist trotzdem sehr eigenwillig. ich erkenne nicht wo jetzt genau schaden angerichtet wurde!?
man sollte nicht vergessen das die angeklagten junge burschen im besten alter sind. die sollten eigentlich alles andere machen als vor einen richter zu stehen.

also: wo ist schaden entstanden???

als demokrat muss ich sagen das es kein vergehen sein darf/kann eine "rechte gesinnung" zu haben. immerhin herrscht bei uns immer noch meinungsfreiheit!

das heisst: erst TATEN (es entsteht schaden!) bewegen sich ausserhalb unserer verfassung. das erachte ich als erwähnenswert.

little tiny farts
 
19.07.2008 05:00

schaden:= die versuchte verbreitung nationalsoz. gedankengutes zb?

FMGD
18.07.2008 07:20

1. Das ist keine "einfache" rechte Gesinnung - das ist nationalsozialistisch - großer Unterschied
2. Es handelt sich um Versuch der Wiederherstellung von NS-Organisationen und in Ö ist auch der Versuch einer Straftat strafbar.
3. Habe die Angeklagten Taten gesetzt. (Treffen organisiert, Zeitschrift herausgegeben etc.)

Also ihre Argumentation finde ich nicht sehr demokratisch. Auch ihre Wortwahl lässt mich zu einem andern Schluss kommen.
"Stammtischdemokratie" incl. 3 Halbe?
Dieses ewige falsche interpretieren der Meinungsfreiheit kommt sehr oft aus dem NS Eck!

Leland Gaunt
18.07.2008 07:00
Jawoll !

Rechtens analysiert, Kraft des Raben. In diesem Sinne bleibt mir nur noch zünftiges 77, welches ich Ihnen virtuell entgegenwerfe.

FMGD
18.07.2008 07:27

77? Grüß Gott? Geruhsamen Gründonnerstag? Ganz grauslig?
Bin mir nicht sicher ob der Rabe nicht eher 18 oder 88 hören will.

bestechus kaktus
19.07.2008 13:29
77

geh gacksen

misterspok
 
17.07.2008 20:27
das scheint mir symptomatisch zu sein, für diese rechten ...

... überall sind sie dabei aber mit nichts wollen sie etwas zu tun haben.

derpradler
17.07.2008 18:31
Sie sind auch noch feige,

die "deutschen Eichen"!

G e o r g
18.07.2008 17:36

Das ist ja schon lange ein Kennzeichen der Rechten in Österreich: Sobald sie nicht in der Position des Stärkeren sind, werden sie zu armen, unschuldig verfolgten Welpen. Aber wehe, wenn sie können, wie sie wollten, dann sind sie gegenüber den Schwächeren aggressiv. Charakterliche Totalversager eben.

z mon
24.07.2008 10:25

Na geh bitte. Was ist mit den "armen Tierschützern" die man (m.M. zurecht) in Haft behält?
Da jammern sogar Linke ausserhalb herum.

G e o r g
04.09.2008 17:34

Mir ist nicht bekannt, dass Linke oder Tierrechtler sich als tapfere, stramme Recken darstellen und in der Überzahl Gegner attakieren.

Kohlhaas1
19.07.2008 15:34
is ja nicht nur bei Rechten so.

Schau dir die diversen sagen wir mal Linksaktivisten an.
Die schrecken vor Gewaltkriminalität nicht zurück und wenn´s dann ins Häfen gehen soll, dann wimmern´s.
Ist aber nicht allein auf die charakterschwachen Ösis beschränkt.
Die sich als links bezeichnenden Terroristen der Brigate Rosse weinen jetzt weil sie nach Italien ins Häfen müssen. Die sich als linksgerichtet bezeichnende Überlebende Mörderin eines Lufthansa Piloten jammert um Gnade und der ex Chef der linken PKK wimmerte auch nach der Verhaftung herum.

Also ned nur Küssel und Co rutschen auf Schleimspuren herum.

pater hirni
17.07.2008 17:37
und ich dachte,

dasfalke wäre kärntner.

erlich
17.07.2008 16:23
... die verharmloser, verharmlosen nur ...?!

Das Lama Dalai
17.07.2008 13:51
"...das BfJ sei lediglich als "Alternative zur Spaßgesellschaft" gegründet worden."

Da hab ich ehrlichgesagt lieber Spaß.

Feierabend
18.07.2008 10:01
:)

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