Chronologie: Beziehungen USA-Iran

4. August 2008, 17:14
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CIA organisierte Mossadeghs Entmachtung und unterstützte irakischen Angriffskrieg

Teheran/Washington - Seit mehr als einem halben Jahrhundert sind die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran belastet. Eine kurze Chronologie:

  • 1953: Der iranische Ministerpräsident Mohammed Mossadegh wird unter Mitwirkung der Geheimdienste der USA und Großbritanniens gestürzt, nachdem er die Verstaatlichung der Erdölindustrie eingeleitet hatte. Die Vereinigten Staaten sahen ihre Interessen gefährdet und befürchteten eine stärkere Einflussnahme der Sowjetunion im Iran über die kommunistisch orientierte Tudeh-Partei. CIA-Chef Allen Dulles verfügte über ein Budget von einer Million Dollar, die dazu verwendet werden sollten, Mossadegh auszuschalten ("Operation Ajax"). Die Westmächte stützen sich auf Schah Mohammed Reza Pahlevi.
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  • 1979: Die Islamische Revolution führt zum Sturz des Schah-Regimes. Unter dem aus dem Exil heimgekehrten hohen Geistlichen und Schiitenführer Ayatollah Khomeini wird eine Islamische Republik errichtet. Im November stürmen radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran und nehmen 66 Personen als Geiseln. Die 444 Tage dauernde Botschaftsbesetzung kostet US-Präsident Jimmy Carter die Wiederwahl, nachdem eine Befreiungsaktion fehlschlug.
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  • 1980: Die USA brechen im April die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Im September fallen Truppen des irakischen Präsidenten Saddam Hussein in den Südwesten des Iran ein. Der Westen unterstützt den Irak in dem bis 1988 dauernden, überaus verlustreichen Krieg.
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  • 1981: Die letzten US-Botschaftsgeiseln werden im Jänner freigelassen.
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  • 1984: Die US-Regierung unter Präsident Ronald Reagan erklärt den Iran zum "Sponsor des internationalen Terrorismus".
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  • 1987: "Iran-Contra-Skandal": Illegaler US-Waffenverkauf an Teheran und Finanzierung rechtsgerichteter Contra-Rebellen gegen die sandinistische Regierung Nicaraguas aus dem Verkaufserlös.
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  • 1987-88: Iranische Angriffe auf Öltanker im Krieg mit dem Irak führen zu Gefechten zwischen iranischen und US-Truppen. Im Juli 1988 wird ein iranisches Passagierflugzeug von einem US-Kriegsschiff abgeschossen. Alle 290 Insassen kommen ums Leben. Die USA erklären, das Flugzeug sei "versehentlich" für eine Militärmaschine gehalten worden.
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  • 2002: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA bezeichnet US-Präsident George W. Bush den Iran als "Schurkenstaat" und - zusammen mit dem Irak und Nordkorea - als "Achse des Bösen". Noch während der Vorbereitungen für die Invasion im Irak äußert die US-Regierung im Dezember den Verdacht, der Iran könnte Atomwaffen entwickeln.

     

     

  • 2005: Im Juni gewinnt der radikalreligiöse Kandidat Mahmoud Ahmadinejad die Präsidentenwahl. Im August erklärt Bush, eine militärische Option im Konflikt um das iranische Atomprogramm sei nicht auszuschließen.
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  • 2006: Im Jänner gibt der Iran die Wiederaufnahme der Urananreicherung für sein Atomprogramm bekannt. Im Mai droht der Iran mit der Kündigung des Atomwaffensperrvertrags. Ahmadinejad richtet ein Schreiben an Bush.
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  • 2007: Der Iran verkündet, in industriellem Maßstab Kernbrennstoff herzustellen. Man betreibe die massenhafte Produktion von Zentrifugen zur Urananreicherung und die Anreicherung von Uran in industriellen Mengen.
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  • 2008: Die US-Geheimdienste stellen in einem von Israel zurückgewiesenen Bericht fest, dass der Iran seine Versuche, eine Atombombe zu bauen, 2003 gestoppt habe. Die fünf UNO-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) und Deutschland bieten dem Iran enge wirtschaftliche Zusammenarbeit und Unterstützung bei einem zivilen Atomprogramm an, wenn Teheran auf die eigene Urananreicherung verzichtet. Der investigative US-Journalist Seymour Hersh berichtet, seit 2007 würden militärische Spezialkommandos sowie Agenten der Geheimdienste CIA, DIA und NSA verdeckte Operationen im Iran ausführen. Dazu gehören Sabotageakte gegen Militäranlagen und Einrichtungen ziviler Infrastruktur.

    Die US-Regierung gibt bekannt, dass erstmals seit Beginn des Atomstreits einer ihrer Spitzendiplomaten an einem Treffen mit iranischen Unterhändlern teilnehmen wird. Die USA wollen laut einem britischen Medienbericht erstmals seit drei Jahrzehnten wieder eine diplomatische Vertretung im Iran eröffnen. (APA/AP)

 

 

 

 

 

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