BA-CA-Mutter mit Rekordverlust

19. Februar 2003, 18:06
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HypoVereinsbank schließt Katastrophenjahr mit 858 Millionen Euro Verlust ab - Börsenflaute, Pleitewelle und hohe Kreditrisiken belasten

München - Wie die HVB am Mittwoch in München mitteilte, ergab sich im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 858 Mio. Euro. Das vierte Quartal 2002 lief zwar besser als die vorhergegangenen, aber die Risikovorsorge schnellte auf fast 3,8 Mrd. Euro empor und fraß sämtliche Betriebsgewinne wieder auf. Die Aktionäre erhalten zum ersten Mal seit 1945 keine Dividende.

Der neue Vorstandschef Dieter Rampl, der mit Jahresbeginn 2003 als Nachfolger von Albrecht Schmidt die Führung des Instituts übernahm, sagte: "Das Geschäftsjahr 2002 war das schwierigste und schlechteste in der Geschichte der Bank." Aber sinkende Kosten, steigende Erträge und der operative Gewinn im vierten Quartal zeigten, dass die HypoVereinsbank jetzt "aus dem Gröbsten heraus sei".

"Vorsichtige Zuversicht"

Für 2003 bekundete Rampl "vorsichtige Zuversicht". Für das erste Quartal wurde ein Gewinn in Aussicht gestellt. Über einen möglichen weiteren Stellenabbau - bisher wurden 7000 Stellen gestrichen, weitere 2100 sollen folgen - wurde nichts mitgeteilt.

Das Ausmaß der Risikovorsorge und damit auch der Verluste im Jahresabschluss 2002 übertraf alle Erwartungen. Das Betriebsergebnis sank um zehn Prozent auf 3,195 Mrd. Euro. Die Risikovorsorge wurde im Vergleich zum Vorjahr auf 3,797 Mrd. Euro fast verdoppelt. Statt eines Jahresüberschusses von knappe einer Milliarde Euro im Jahr 2001 wies die HVB 2002 einen Jahresfehlbetrag von 858 Mio. Euro aus.

Hohe Risikovorsorgen

Entscheidend für das schwache Ergebnis war auch im Schlussquartal die hohe Vorsorge für Risiken im Kreditgeschäft. Die Risikovorsorge habe sich für den Zeitraum Oktober bis Dezember auf 1,321 Mrd. Euro belaufen, nach schon 1,232 Mrd. Euro im dritten Quartal.

Zur erwarteten Geschäftsentwicklung im neuen Jahr hielt sich die HVB-Gruppe zunächst bedeckt. Es gebe Signale, dass die Talsohle im vierten Quartal des vergangenen Jahres durchschritten worden sei, hieß es. Für das erste Quartal 2003 ist die HVB optimistisch, wieder mit Gewinn abzuschließen: "Wir hoffen, dass wir in dem Quartal wieder in die schwarzen Zahlen kommen."

Altlasten

In das vierte Quartal 2002 hat die HVB einen Großteil absehbarer Altlasten gepackt, um davon befreit im laufenden Jahr wieder auf Kurs zu kommen. Eine Pauschalwertberichtigung, Bereinigungen bei Finanzanlagen sowie eine Restrukturierungs-Rückstellung für die bevorstehende Abspaltung der Gewerbe-Immobilientochter Real Estate belasteten das Ergebnis mit jeweils 300 Mio. Euro.

Aktie im Plus

Die HVB-Aktie notierte nach starken Kursverlusten zu Handelsbeginn im weiteren Verlauf gut behauptet. Am späteren Nachmittag wurde sie bei 11,11 Euro mit 1,7 Prozent im Plus gehandelt. Die WestLB nahm sogar die Anlageempfehlung von "neutral" auf "outperform" hoch. Für frühere Bank Austria Aktionäre, die ihre Aktien im Verhältnis 1 : 1 in solche der HVB umtauschten und behielten, war der Deal dennoch ein schlechtes Geschäft. Zum Zeitpunkt des Umtausches notierten HVB bei 63,7 Euro. (Reuter, AP, vwd, DER STANDARD, Printausgabe 20.2.2003)

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    HVB-Vorstandschef Dieter Rampl: "2002 war das schwierigste und schlechteste Geschäftsjahr in der Geschichte der Bank."

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