13 Tote bei Angriffen in Gaza und Nablus

19. Februar 2003, 20:10
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Israelische Offensive nach Anschlag der Hamas

Gaza - Bei Kämpfen israelischer Truppen mit palästinensischen Milizen und Sicherheitskräften sind in der Nacht auf Mittwoch in Gaza elf Palästinenser getötet worden, darunter ein mutmaßlicher Selbstmord-Angreifer, der sich nach Augenzeugenberichten unter einem Panzer in die Luft sprengte. 25 Palästinenser wurden bei den Kämpfen verletzt. Im Westjordanland erschossen Soldaten nach palästinensischen Angaben einen Bäcker und einen 16-jährigen Steinewerfer.

Seit Sonntag haben die Israelis damit bereits mehr als 20 Palästinenser bei Operationen im Gazastreifen und im Westjordanland getötet. Der neuen Offensive war ein Anschlag der radikalen Hamas-Organisation im Gazastreifen vorausgegangen, bei dem am Samstag vier Soldaten in einem Panzer getötet worden waren.

Streitkräfte rücken mit Panzern ein

Nach Angaben der israelischen Streitkräfte richtete sich der Einsatz gegen "terroristische Infrastrukturen in Gaza". Die Truppen waren am Dienstagabend mit Panzern in ein Stadtviertel von Gaza eingerückt, das als Hochburg der Hamas gilt. Sie zerstörten Werkstätten, in denen nach Militärangaben Raketen und andere Geschütze für Hamas-Angriffe auf israelische Ziele hergestellt werden. Nach palästinensischen Augenzeugenberichten beschädigten die Israelis zudem eine Schule und unterbrachen die Stromzufuhr.

Unter den Toten waren nach Angaben palästinensischer Krankenhäuser sieben Personen, die militanten Organisationen oder den Sicherheitskräften der Autonomiebehörde angehörten. Bei den vier anderen handelte es sich demnach um Zivilisten. Das israelische Militär erklärte dazu, die Soldaten hätten nur auf bewaffnete Palästinenser gezielt. Eine Militärsprecherin bezeichnete den Einsatz als "vorbeugende, punktuelle und zielgerichtete Operation gegen eine Hamas-Hochburg." Am frühen Morgen seien die Soldaten abgezogen.

Palästinensische Sicherheitskräfte im Westjordanland berichteten unterdessen, israelische Soldaten hätten bei Hausdurchsuchungen in der Altstadt einen palästinensischen Bäcker und einen 16-Jährigen erschossen. Der Junge habe zusammen mit anderen Jugendlichen Steine nach den Soldaten geworfen, der Bäcker sei auf dem Weg zur Arbeit gewesen. Das israelische Militär nahm zu dem Bericht zunächst nicht Stellung.

Infrastruktur des Terrors vernichten

Ein Sprecher des Büros des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon sagte, Israel werde "alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, die wachsende terroristische Infrastruktur im Gaza-Streifen zu vernichten und zu verhindern, dass diese den Israelis in jedweder Form Schaden zufügen kann".

Der palästinensische Kabinettsminister Saeb Erekat nannte den israelischen Militäreinsatz einen Rückschlag für den Friedensprozess. "Die israelische Regierung allein ist verantwortlich für die Konsequenzen ihres Angriffs", sagte er.

Trotz der anhaltenden Unruhen haben sich Vertreter Israels und der Palästinenser in diesem Monat mehrfach zu Gesprächen über eine Waffenruhe getroffen. Erst am Dienstag waren Vermittler des so genannten Nahost-Quartetts aus USA, EU, Russland und UNO mit Delegationen der Konfliktparteien in London zusammengetroffen, um einen Plan zur Beendigung der Unruhen zu diskutieren. Israel wirft der Palästinenser-Regierung vor, zu wenig gegen radikale Kräfte zu unternehmen. Seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes im September 2000 wurden mindestens 1.850 Palästinenser und 705 Israelis getötet. (APA/AP/dpa/Reuters)

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