Blair buhlt in Brief um Beitrittsstaaten

19. Februar 2003, 18:28
3 Postings

Positionierung gegen Chirac - Brief an 13 Beitrittsländer: "Habe mich für ihre Anwesenheit eingesetzt"

Die Nachwehen der verbalen Ausritte des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac gegen die USA-freundlichen EU-Kandidatenländer klangen am Mittwoch langsam ab. Zuletzt versuchte noch der britische Premier Tony Blair, politisches Kapital aus den Angriffen des Franzosen zu schlagen: Er sandte einen Brief an die 13 Beitritts- und Kandidatenstaaten, in dem er um deren Gunst buhlte.

Blair nutzte das Brüsseler Treffen der EU-Aspiranten zur Nachbereitung des EU-Irakgipfels am Dienstag als Hintergrund für ein verständnisvolles Schreiben. In dem Brief betonte er sein Bedauern darüber, dass die Kandidaten beim EU-Irakgipfel selbst nicht dabei sein durften: "Wie Sie wissen, habe ich mich für Ihre Anwesenheit eingesetzt und dafür, dass Sie an der Debatte teilnehmen", schreibt der Premier. Sein Text stand damit in klarem Kontrast zu den aggressiven Brüsseler Äußerungen Chiracs, der die Unterstützung der Kandidatenstaaten für die US-Irakpolitik "infantil" und "ungezogen" genannt hatte.

Aus den betroffenen Ländern wurden am Mittwoch kaum noch Reaktionen von Politikern laut. EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen warnte allerdings in der Welt, er habe Stimmen aus den Beitrittsstaaten gehört, "die mir sagen, früher hat uns die Sowjetunion den Kurs vorgegeben, und jetzt sagt uns die EU, was wir denken und sagen sollen". (Jörg Wojahn/DER STANDARD, Printausgabe, 20.2.2003)

  • Artikelbild
    foto: epa/odd andersen
Share if you care.