Warnung vor dem großen Sterben

19. Februar 2003, 11:07
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Illegale Fischer bedrohen die Antarktis - Lederschildkröten sind wohl bald verschwunden

Denver - Neben Neuheiten in der Wissenschaft und Forschung sind beim Treffen der American Association for the Advancement of Science (AAAS) auch wieder Forscher zu Wort gekommen, die vor einem Raubbau der Umwelt warnen: Ein Team von Wissenschaftlern der British Antarctic Survey (BAS) befürchtet, dass illegale Fischerei in den Gewässern um den Südpol zu einem Massenexodus führen kann. Forscher der Duke University of North Carolina sehen für die Lederschildkröten düstere Zeiten: In zehn bis dreißig Jahren werden sie für immer verschwunden sein.

Tiere unter Druck

"Charismatische Lebewesen wie die Albatrosse mit ihren riesigen Flügelspannweiten, Seehunde, Robben und Pinguine stehen unter großem Druck, da ihre Nahrungsquellen vom Menschen streitig gemacht werden", so John Croxall, Professor bei der BAS. Aber nicht nur das schwindende Angebot an Nahrung bedroht die Tiere.

Moderne Fangmethoden lassen so manchen Vogel oder Pinguin im Netz landen. Dort sterben die Tiere einen qualvollen Tod. Croxall fordert die Regierungen auf, die illegale Fischerei in der Antarktis zu stoppen. Der Wissenschaftler ist der Ansicht, dass die Schutzgebiete in dem fragilen Ökosystem erweitert werden müssten. In den vergangenen fünf Jahren habe die Zahl der durch Langleinen getöteten Meeresvögel in dramatischer Zahl zugenommen.

Haut statt Panzer

Traurig sieht es nach Ansicht des Forscherteams von der Duke Universität für die größte Schildkröte der Erde aus, der so genannten Leatherback oder Lederschildkröte (Dermochelys coriacea). Die meereslebende Schildkröte erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 250 Zentimetern und ein Gewicht von mehr als 900 Kilogramm und übertrifft damit auch ihre großen landbewohnenden Verwandten von den Seychellen und den Galapagos Inseln.

Ihren Namen verdankt die Schildkröte der Tatsache, dass bei ihr der sonst typische starre Knochen- und Hornpanzer durch eine dicke, lederartige Haut ersetzt ist.

Tieftaucher

Die erstaunlichen Tiere können bis zu 1.000 Meter tief tauchen. Bedroht wird das Reptil in erster Linie durch die extensive Fischerei nach Thun- und Schwertfisch mit Langleinen. Nach Angaben des Biologen Larry Crowder ist die Zahl der Tiere in den vergangenen zwanzig Jahren um mehr als neunzig Prozent zurückgegangen. "Bei der Fischerei mit Langleinen werden Tiere mit bis zu sechzig Kilometer langen Angelschnüren, an denen Hunderte von Haken befestigt sind, gefangen", so Crowder.

Nach Schätzungen des Forschers kommen weltweit täglich vier Millionen Haken für die Thun- und Schwertfischerei zum Gebrauch. "Tragisch für die Lederschildkröten ist auch ihr großes Verbreitungsgebiet, das sich von fünfzig Grad nördlicher bis fünfzig Grad südlicher Breite erstreckt", erklärt der Spezialist.

Geschäft mit Schildkröteneiern

Hinzu käme noch das Geschäft mit den Eiern der Schildkröte, das in vielen tropischen Ländern noch blüht. Crowder argumentiert, dass eine Veränderung der verwendeten Haken in der Fischerei schon tausenden Schildkröten das Leben retten könnte. "Die Leatherbacks sind seit hundert Millionen Jahren auf unserem Planeten und haben sogar die Dinosaurier überlebt. Nun haben sie das Problem, den Menschen zu überleben", meint der Forscher. (pte)

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