Die Lüge, eine intellektuelle Höchstleistung

19. Februar 2003, 10:45
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"Der Beste muss mitunter lügen. Zuweilen tut er's mit Vergnügen", wusste schon Wilhelm Busch

Hamburg - Unterstützung erhält er nun von Wissenschaftern: "Lügen ist ein essenzieller Bestandteil der sozialen Intelligenz", schreiben Forscher im aktuellen deutsche Fachblatt Geist & Gehirn, der Mensch "verdankt die Vergrößerung seines Gehirns dem evolutionären Druck, immer raffinierter lügen zu müssen".

Die Gehirnforschung bestätigt jedenfalls, dass Lügen eine beachtliche intellektuelle Leistung ist. US-Studien haben gezeigt, dass sich die Aktivität in bestimmten Hirnregionen signifikant erhöht, wenn die Versuchspersonen lügen.

Anstrengend

Besonders stark ist der Aktivitätsanstieg in Regionen, die dafür verantwortlich sind, welche Gedächtnisinhalte ins Bewusstsein gelangen: Um zu lügen, müsse die Wahrheit unterdrückt werden. Jeder Verstoß gegen das 8. biblische Gebot verlange von Neuronen eine Anstrengung - unter der Voraussetzung, dass Aufrichtigkeit der kognitive Normalzustand ist. Aber im Normalzustand erfolge kaum Weiterentwicklung, dazu bedürfe es Anstrengung - ähnlich wie beim Muskeltraining.

Auch Philosophen unterstreichen die Wichtigkeit der Lüge: "Die Wahrheit zu sagen ist moralisch überbewertet", analysiert David Nyberg von der University of New York. "Ohne Täuschung und Irreführung wäre unser komplexes Beziehungsleben völlig undenkbar." (red/DER STANDARD; Printausgabe, 19.2.2003)

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