Weniger Geld für mehr Arbeit gegen Gewalt

19. Februar 2003, 11:55
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Geschäftsführerin der Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: Langsame Regierungsbildung gefährdet unsere Arbeit

Wien - Die nur schleppend voranschreitende Regierungsbildung - und die mit ihr einhergehende Fortschreibung des Bundesbudgets aus dem vergangenen Jahr - gefährde die Arbeit der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: Diese Ansicht vertritt deren Geschäftsführerin, Rosa Logar.

Ihrem Protest legt sie konkrete Zahlen zu Grunde: "Im Jahr 2002 haben wir für unsere Arbeit 519.000 Euro erhalten. Da für das laufende Jahr bisher kein neues Bundesbudget beschlossen werden konnte, tritt die in unserem Finanzierungsvertrag enthaltene Auffangregelung in Kraft. Das bedeutet: Wir erhalten im Jahr 2003 um fünf Prozent weniger Geld als 2002".

Katastrophe

Angesichts steigender Klientenzahlen - im Jahr 2002 hatte die Interventionsstelle mit 1486 Wegweisungen gewalttätiger Männer durch die Polizei zu tun, um 382 mehr als im Jahr davor - komme die Geldeinbuße einer "Katastrophe" gleich. Logar: "Wir arbeiten derzeit mit sechseinhalb Planposten und würden dringend eine Aufstockung brauchen. Eine Kollegin befindet sich mit einem schweren Burn-Out-Syndrom im Krankenstand".

Die Situation habe sich derart zugespitzt, dass monatlich an die 40 Frauen und Kinder ohne Betreuung bleiben müssten. "Und dabei", so Logar, "werden uns die Fälle von der Polizei zugewiesen". Alles in allem befinde sich die Interventionsstelle in einer Situation, in der zusätzliche Aufgaben - zum Beispiel die Mitorganisierung des neuen sozialen Trainingsprogramms für gewalttätige Männer - interne Überforderungen verursachen könnten. (bri/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2003)

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