Training gegen Gewalt - für die Gewalttäter

18. Februar 2003, 20:25
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Männer, die daheim Gewalt ausüben, können aus dem "sozialen Nahraum" - sprich: der Wohnung, der Schule, der Arbeitsstätte - ihrer Opfer entfernt (sprich: weggewiesen) werden: Das ermöglicht das heimische Sicherheitspolizeigesetz. Einige von ihnen landen vor Gericht oder sogar in Haft. Und was dann?

Dann kommt - wenn parallel dazu für die Sicherheit der Bedrohten gesorgt wird - zum Beispiel ein "soziales Trainingsprogramm" mit den Tätern infrage. Etwa die Arbeit in der Gruppe über einen Zeitraum von 26 Wochen, wie sie in vorliegendem Buch beschrieben wird. Mit Rollenspielen vor der Videokamera zu Themen wie "gerecht streiten".

Ursachen erkennen

Auf diese Art - so die Buchautoren - hätten die Täter die Chance, die Ursache ihrer brachialen Verhaltensweisen zu erkennen. Den Angehörigen wiederum eröffne sich die Perspektive auf eine partnerschaftliche Zukunft. Jedoch nur dann, wenn das Training - wie es die Leiterin der Interventionsstelle in Wien betont - "in ein Netz anderer gewaltpräventiver Maßnahmen eingebunden ist, . . . die Teilnahme der Täter . . . verpflichtend ist und ein Abbruch Konsequenzen hat".

Ausgangspunkt des nunmehr für die Umsetzung im deutschen Sprachraum adaptierten Täterprogramms war das zu Beginn der 80er-Jahre in Duluth, Minnesota (USA) entwickelte Domestic Abuse Intervention Project (Daip). Eines Programms, das - laut Ute Rösemann - nicht mit "Therapie für die Täter" verwechselt werden solle. Vielmehr, so die Gewaltexpertin, werde die Betonung auf Lernen gelegt. Und auf innere Veränderung. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2003)

Logar / Rösemann / Zürcher: Gewalttätige Männer ändern (sich). Handbuch für ein soziales Trainingsprogramm Verlag Haupt, Bern 2002 191 Seiten, 24,90 Euro

Buchpräsentation

20. Februar, 19 Uhr, Hochholzerhof, 1010 Wien, Seitzergasse 2-4

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