Inspektoren verplomben Raketen

19. Februar 2003, 11:10
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Wenig Fortschritte bei Befragung von irakischen Wissenschaftern

Bagdad - Die UNO-Waffeninspektoren im Irak haben "Dutzende" von Kurzstreckenraketen des Typs Al-Samoud-2 verplombt. Dies erklärte der Sprecher der UNO-Abrüstungskommission für den Irak (UNMOVIC), Hiro Ueki, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Es handele sich um einen "laufenden Prozess", an dessen Ende alle Raketen dieser Art verplombt sein würden, fügte er hinzu. Die 380 Triebwerke für diesen Raketentyp, die der Irak besitzt, seien bereits alle verplombt.

Die Al-Samoud-2 war von Chefwaffeninspektor Hans Blix in seinem Bericht vor dem Weltsicherheitsrat am letzten Freitag als "unerlaubtes Rüstungsgut" bezeichnet worden. Der Irak darf nach den UNO-Auflagen nur Raketen mit einer Reichweite von bis zu 150 Kilometern besitzen. Die Al-Samoud-2, eine vom Irak entwickelte Kurzversion der sowjetischen SCUD-B, kam bei einigen Tests auf Reichweiten von bis zu 183 Kilometern. Über das endgültige Schicksal der verplombten Raketen würden "weitere Instruktionen aus dem UNMOVIC-Hauptquartier" in New York entscheiden, sagte der Sprecher.

Zum ersten Mal wurde jetzt ein amerikanisches Aufklärungsflugzeug vom Typ U-2 zur Unterstützung der Arbeit der UNO-Kontrollore eingesetzt. Die Genehmigung von Aufklärungsflügen mit diesem Flugzeugtyp war vom Irak erst kurz vor dem letzten Blix-Bericht genehmigt worden. Die Regelung des Einsatzes anderer Luftaufklärungsmittel, darunter der deutschen "Luna"-Drohne, werde "bald beendet" sein, sagte Ueki.

Wenig Fortschritte gab es offenbar bei den für die Inspektoren wesentlichen Befragungen von irakischen Wissenschaftlern, die an früheren Programmen zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen mitgewirkt haben. Zwar führten in den letzten Tagen zwei Wissenschaftler derartige Gespräche ohne Anwesenheit eines regierungsamtlichen Begleiters mit Experten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), womit sich insgesamt fünf Atomwissenschaftler solchen vertraulichen Befragungen unterzogen haben.

Auf 30 UNMOVIC-Anträge auf vertrauliche Gespräche mit Chemikern, Biologen oder Raketentechnologen seien aber nur drei solcher Befragungen gefolgt, teilte Ueki mit. Alle drei Gespräche fanden am 6. und 7. Februar, kurz vor dem letzten Besuch von Blix in Bagdad statt. Die Befragten waren Personen, die die irakische Behörde für die Zusammenarbeit mit den Inspekteuren präsentiert hatte. Seitdem beantragte die UNMOVIC Gespräche mit fünf Wissenschaftern, die jedoch alle auf einer Aufzeichnung der Befragungen mit einem mitgebrachten Kassettenrecorder bestanden, was nicht im Einklang mit den UNMOVIC-Regeln gewesen wäre. "Die Interviews fanden deshalb nicht statt", sagte Ueki.

Auf die Frage, ob mit der Beantragung von Wissenschaftlerbefragungen im Ausland zu rechnen sei, antwortete Ueki: "Wir haben noch nicht diesen Punkt erreicht." Die UNO- Sicherheitsratsresolution 1441, die auch die Inspektionsverfahren regelt, ermöglicht auch den Transfer irakischer Wissenschafter und ihrer Familien ins Ausland. Insgesamt seien zurzeit im Irak 104 Waffeninspektoren tätig, gab Ueki bekannt. 86 von ihnen arbeiten für die UNMOVIC, 18 für die IAEO. (APA/dpa)

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    foto: epa/afpi/karim sahib
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