"Bamboozled – It's Showtime": Frisches Futter für die Kiste

23. Juli 2004, 14:38
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Spike Lees kontroversielle Gesellschafts- und Mediensatire "Bamboozled - It's Showtime"

Wien - Pierre Delacroix (Damon Wayans) steht unter Erfolgsdruck: Bei seinem Boss ist er wegen mangelhafter Publikumsresonanz auf seine letzte Serie in Ungnade gefallen, "feed the idiot-box" steht in großen Lettern über seinem TV-Gerät.

Aber wer ein guter Programmentwickler sein will, der erinnert sich schließlich daran, dass der Quotendruck die Grenzüberschreitung heiligt. Und so beschließt Delacroix, schwarzer Harvard-Absolvent im Solde eines weißen "Bruders", dem Sender eine Show zu schenken, die an Unkorrektheiten, Untergriffigkeiten und Rassismen kaum zu überbieten ist.

Die Vorlage dafür liefert ein historisches Varieté-Show-Format des 19. Jahrhunderts: Blackface Minstrelsy, musikalische Bühnendarbietungen, für die sich weiße (und später auch schwarze) Akteure und Akteurinnen die Gesichter mit einer Paste aus verbranntem Kork schwärzten und den augenrollenden, breitlippigen, einfältigen Neger gaben.

"Satire" heißt die Legitimation für das Programm. Aber auch Spike Lees Film als Ganzer arbeitet mit Überzeichnungen und Stereotypen. Dabei vermischen sich die Ebenen, und die tradierten Zuschreibungen werden gewissermaßen mit zeitgenössischen Pendants und Maskeraden konfrontiert: Die militanten Rapper erfüllen eine ähnliche Hampelmann-Funktion wie die "Alabama Porch Monkeys", die Delacroix im TV-Studio auftreten lässt.

Sein weißer Vorgesetzter (Michael Rapaport) umgibt sich mit Fotografien schwarzer Athleten und hält sich für einen Experten in Sachen authentischer Blackness. Manray alias Mantan (Savior Glover), der Star der "New Millennium Minstrel Show", den Delacroix natürlich steppend auf der Straße aufgelesen hat, ist in gewisser Weise das Alter Ego seines "Erfinders". Die einzig annähernd integere Figur in diesem Kontext verkörpert Jada Pinkett-Smith als dessen Assistentin.

Die Kreationen von Delacroix stellt Bamboozled vermittelt durch einmontierte Film- und TV-Ausschnitte in eine lange Tradition rassistischer Stereotypisierung. Zugleich fungieren diese Sequenzen aber auch als eine Art Gedenken an all die (vergessenen) Entertainerinnen und Entertainer, die diesen beschränkten Auftrittsrahmen mit unterschiedlichen Motivationen nutzten.

Insgesamt hinterlässt Bamboozled, der in den USA bereits 2000 in die Kinos kam, jedoch einen zerrissenen Eindruck - das eigentliche Angriffsziel des Regisseurs bleibt schwer zu fassen. Trotz aller erzählerischer und ästhetischer Unzulänglichkeiten ist er aber einer der interessanteren Beiträge des derzeitigen Kinoprogramms. (DER STANDARD; Printausgabe, 19.2.2003)

  • Assistentin Sloan (Jada Pinkett-Smith) mit TV-Autor Pierre Delacroix (Damon Wayans)
    foto: filmladen

    Assistentin Sloan (Jada Pinkett-Smith) mit TV-Autor Pierre Delacroix (Damon Wayans)

  • Minstrelsy fürs Millenium
    foto: filmladen

    Minstrelsy fürs Millenium

  • Artikelbild
    foto: filmladen
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