Künstler bemühen Höchstrichter

18. Februar 2003, 17:13
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ORF vernachlässige Kulturauftrag - Gebühren zu hinterfragen

Wien - Gerhard Ruiss, Chef der IG Autoren, versucht den Verfassungsgerichtshof auf den Kulturauftrag des ORF anzusetzen. Den erfülle der Küniglberg beileibe nicht, beklagen er und weitere Kulturfunktionäre Dienstag in einer Pressekonferenz.

Das zeige sich in der Abschaffung der "Kunst-Stücke" ebenso wie in komplett aus dem Programm von Radio Salzburg gestrichenen Kultursendungen oder in halbierten Honoraren für Hörspielautoren. Die am selben Abend angesetzte "Lange Nacht des Hörspiels" nutzten sie somit gleich für eine Demonstration. Die Künstler müssten den ORF "zurückerobern".

Ruiss: ORF von Privatfernsehen kaum noch zu unterscheiden

Von Privatfernsehen wie RTL sei der ORF trotz öffentlich-rechtlichem Kultur- und Bildungsauftrag kaum noch zu unterscheiden, sagt Ruiss. Gerade eine solche Anstalt dürfe sich "eigentlich nicht am Publikum anbiedern", ergänzt Kurt Brazda als Vertreter der Filmbranche. Nähere sich der ORF RTL, stelle er damit den Anspruch auf Gebühren infrage, meint Ruiss: "Der ORF wird sich selbst abschaffen."

Der Autorensprecher warnt seine Bundesgenossen: Gerne nehme der ORF "Künstler in Geiselhaft": Damit der Küniglberg mehr Platz für Kultur aufbieten könne, fordere er von ihnen politische Unterstützung, etwa um Werbebeschränkungen loszuwerden. Für Shows oder "stundenlange Übertragung von nicht beginnenden Skirennen" indes habe er immer Geld.

Ankündigungen des ORF-Managements, bei der nächsten Programmreform im März gehe es um Kultur, nehmen die Kunstvertreter nicht allzu ernst: Trotz "Kulturwüste" habe der ORF ja schon 2002 "Nur Kultur pur" plakatiert. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 19.2.2003)

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