Vorstoß für kürzere Unterrichtsstunde

18. Februar 2003, 16:50
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Steirischer VP-Politiker Schützenhöfer stellt auch Unterrichtsbeginn zur Debatte

Wien/Graz - Einen Schulversuch mit späterem Unterrichtsbeginn - und eine bundesweite Diskussion um die Kürzung der Schulstunde von 50 auf 45 Minuten: Das regt der in der Steiermark für das Pflichtschulwesen zuständige ÖVP-Landesrat Hermann Schützenhöfer an.

Volks- und Hauptschuldirektoren gesucht

Steirische Eltern mit Kindern im Pflichtschulalter müssen besonders früh aufstehen: Der Unterricht beginnt hier schon um 7.30 Uhr (in den Bundesschulen aber "erst" um acht). Nach einem STANDARD-Bericht über die Kritik von Schlafforschern am (zu) frühen Schulstart in Österreich sucht Schützenhöfer nun Volks- und Hauptschuldirektoren, die den Unterricht in einem Versuchsprojekt um acht (oder sogar erst um halbneun) beginnen lassen.

Zahlreiche und heftige Reaktionen

Die Reaktionen auf diesen Vorschlag waren - obwohl die steirischen Schulen aufgrund von Semesterferien gerade geschlossen sind - zahlreich und heftig, berichtete Schützenhöfer dem STANDARD: Eine knappe Mehrheit der Eltern sei dagegen, der andere Teil absolut dafür.

Das Argument der Gegner: Das sei nicht mit dem Arbeitsbeginn von Müttern und Vätern vereinbar. Außerdem würde die Schule dann noch später aufhören. Doch Letzteres ist für Schützenhöfer kein Dogma: Er möchte eine bundesweite Diskussion über die Kürzung der Schulstunde von 50 auf 45 Minuten entfachen - womit man bei sechs Unterrichtsstunden genau die halbe Stunde des späteren Unterrichtsbeginns hereinhole. Angesichts der im internationalen Vergleich ohnehin an der Spitze liegenden Stundenbelastung heimischer Schüler wäre dies sinnvoll. Von der Lehrerschaft höre er gleichzeitig Klagen, dass "wahnsinnig viele Probleme in die Schule hineingetragen werden". Alles in allem wünscht sich Schützenhöfer daher eine Diskussion, bei der "zuallererst die Frage zu stellen ist: Was nutzt der Entwicklung der Kinder?"

Arbeitsgruppe für Wien

Auch in Wien will Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) eine Arbeitsgruppe einrichten, in der über Möglichkeiten eines späteren Unterrichtsbeginns nachgedacht wird. Eine "Generalverordnung" sei aber nicht vorstellbar, heißt es. (Martina Salomon/DER STANDARD, 19.2.2003)

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