Skrepek: ORF betreibt eine "Zweiteilung der Kultur"

18. Februar 2003, 17:17
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Kulturschaffende sehen alternative "Menge an Sparpotenzial" im ORF

Hinter dem, was vom ORF "als Sparnotwendigkeit verkauft" (Ruiss) werde, ortet Peter Paul Skrepek, Präsident der Musikergilde, ökonomische und politische Motive. Der ORF betreibe eine "Zweiteilung der Kultur" in Produktionen wie "Starmania" einerseits, die auf Einschaltziffern und multinationale Konzerne abzielten, und Minderheitenprogramme andererseits, mit denen die Zuschauer unvorbereitet konfrontiert würden. Er ziele damit schlussendlich auf die "Vernichtung" einer bestimmten Kultur, auf "Gleichschaltung" und "Manipulation" ab, führt Skrepek schwere Geschütze gegen den ORF auf.

Eine alternative "Menge an Sparpotenzial"

Es gebe jedenfalls immer noch eine alternative "Menge an Sparpotenzial" im ORF, meint Kurt Brazda, Vorsitzender des Verbands Österreichischer Kameraleute (AAC). So könnten etwa die Landesstudios ("Das sind lauter kleine Küniglberge") durch Korrespondentenbüros ersetzt werden: "Die Ineffizienz des ORF besteht in der Aufblähung seiner Strukturen."

Zugleich sei der ORF aber durch die Werbebeschränkung und die Abschaffung der Refundierung der Gebührenbefreiung in seinem Spielraum eingeschränkt, räumt Brazda ein. Zudem fließe ein beträchtlicher Teil der Rundfunk-Gebühren in ORF-fremde Kulturinitiativen der Länder. Es sei daher die Politik gefordert, den ORF in die Lage zu versetzen, seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen, so Brazda.

Kürzungen nicht einmal aufgefallen

Ruiss kritisiert, dass dem Stiftungsrat die Honorarkürzung der Hörspielautoren nicht einmal aufgefallen sei, "er hat auch unsere Proteste nicht bemerkt." Umgekehrt werde innerhalb des ORF immer wieder auf kritische Stimmen massiver Druck ausgeübt, erklären Interessenvertreter. So sei ein Stiftungsrats-Mitglied darauf hingewiesen worden, dass es für negative Folgen seiner Stimme mit seinem Privatvermögen hafte, immer wieder würden Beschäftigten auch Konsequenzen für ihre Tätigkeit beim ORF angedroht. "Jeder ORF-Beschäftigte, der hier auf dem Podium sitzt, riskiert das", so Brazda.

Angesichts des gegenwärtigen Kurses, in dem der ORF sich zu einer "Abspielstätte für eingekaufte Produktionen" entwickle, meint Skrepek dennoch: "Das ORF-Personal ist gut beraten, sich mit uns zu solidarisieren. Sonst werden sie abgeschafft." Die Möglichkeit zur Solidarisierung besteht zum einen Dienstag ab 19.15 Uhr, vor dem Eingang des RadioKulturhauses.

ORF Kulturbegriff - Look Alike"- Wettbewerb

Außerdem schreiben die Kulturinitiativen einen "ORF Kulturbegriff - Look Alike"- Wettbewerb für Leute aus, die auf Grund künstlerischer oder kultureller Tätigkeiten Zugang zum ORF haben. Aufgabe ist, den jeweils in Gebrauch stehenden ORF-Kultur-Slogan (etwa "ORF - Kultur pur)" individuell zu verändern. (APA)

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