Gerangel um Avanti-Tankstellen

18. Februar 2003, 15:19
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Auch INA neben OMV interessiert

Wien/Zagreb - Der kroatische Öl- und Gaskonzern INA ist an der in Schwierigkeiten geratenen österreichischen Tankstellenkette Avanti interessiert, deren Verkauf an eine österreichische Gruppe rund um den Sanierer Erhard Grossnigg erst kürzlich vermeldet wurde. Die gerade vor einer Teilprivatisierung stehende INA bestätigte einen entsprechenden Bericht der kroatischen Tageszeitung Jutarnji list. Das Blatt hatte am Montag berichtet, dass die INA mit einem Bankenkonsortium unter der Führung der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) über den Kauf von Avanti verhandelt. Laut einem Bankensprecher gebe es keine Gespräche mit der INA. Nicht kommentieren wollte die Sache das betroffene Unternehmen Avanti.

"INA ist an einem solchen Projekt interessiert, Experten des Unternehmens analysieren Avanti-Daten. Für Schlussfolgerungen ist es aber noch immer zu früh", so INA in einer Pressemitteilung. Laut kroatischen Presseberichten würde INA 50 Mio. Euro für Avanti zahlen und 90 Mio. Euro an Bankenforderungen übernehmen. Der kroatische Vize-Premierminister und INA-Aufsichtsratsvorsitzende Slavko Linic wollte den Zeitungsartikel nicht kommentieren. Aus dem kroatischen Wirtschaftsministerium hieß es, jede Geschäftsaktivität der INA während der laufenden Privatisierung sei "absolut inkorrekt und inakzeptabel" und widerspreche den wirtschaftlichen Gepflogenheiten und weltweiten Regeln.

Aktien von Grossnigg übernommen

Die Avanti-Aktien wurden - mit Vorbehalt - erst kürzlich von der Sanierer-Gruppe Value Management Services (VMS) von Grossnigg übernommen. "Ich weiß auch nur das, was in den Medien steht", sagte VMS-Sprecher Manfred Kunze. Der Ball liegt laut Kunze beim Bankenkonsortium, denn wegen der noch ausstehenden Einigung beim mit dem Kauf verbundenen Forderungsabtretungsvertrag - genannt werden 80 und 90 Mio. Euro - liege die wirtschaftliche Eigentümerschaft an Avanti noch immer bei den Banken. Neben dem größten Avanti-Gläubiger, der BA-CA, zählen noch die Raiffeisen Zentralbank (RZB), Erste Bank, Bawag und ein Institut der Volksbanken-Gruppe zum Konsortium. Die Banken haben noch bis Ende März Zeit, darüber zu befinden.

An den knapp 190 Avanti-Tankstellen ist wie berichtet auch der heimische Mineralölkonzern OMV interessiert. Ein Sprecher bestätigte gegenüber der APA, dass ein Angebot gelegt worden sei und man der "Dinge harre". Gleichzeitig bietet die OMV auch für die zur Privatisierung ausgeschriebenen 25 Prozent plus eine Aktie am potenziellen Avanti-Mitbewerber INA. "Somit ist eine klassische Dreieck-Situation gegeben", heißt es aus dem Umfeld.

Win-Win-Geschäft für alle Beteiligten

Das Ganze könnte in ein Win-Win-Geschäft für alle Beteiligten münden, falls die OMV den Zuschlag bei der INA bekommt, meinte am Dienstag ein Marktbeobachter. "Die INA muss die OMV in Kroatien beliefern, die Banken kriegen mehr von der OMV, die OMV stärkt ihre Position in Kroatien, und die INA expandiert wie gewünscht in Mitteleuropa."

Die OMV hat, wie berichtet, laut einem kroatischen Wochenmagazin 380 Mio. US-Dollar (355 Mio. Euro) für den zum Verkauf stehenden 25 Prozent-Anteil am kroatischen Öl- und Gaskonzern INA geboten. Bestbieter sei bisher die russische Rosneft mit einem Angebot über 440 Mio. Dollar, der ungarischen MOL ist das INA-Aktienpaket 300 Mio. Dollar wert. Bis Ende März will die kroatische Regierung den Verkauf unter Dach und Fach bringen. Über die bis 17. Jänner gelegten Angebote von OMV, Rosneft und MOL wurden in der Öffentlichkeit keine Details bekannt gegeben. Im Februar sollen endgültige Verhandlungen stattfinden.

Die OMV hat wie berichtet erst kürzlich für 377 Mio. Euro vom BP-Konzern 313 Tankstellen, davon 247 in Deutschland, 55 in Ungarn und 11 in der Slowakei, sowie ein 45-Prozent-Paket an den Bayernoil-Raffinerien erworben und ihren Anteil an der Transalpine-Ölpipeline (TAL) von Triest nach Bayern von 7 auf 25 Prozent aufgestockt. Kurz zuvor wurde für 300 Mio. Euro das internationale E&P-Portfolio der Preussag Energie GmbH, einer 100-Prozent-Tochter der TUI AG, erworben.(APA)

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