Lebensversicherer mit Einnahmeminus

18. Februar 2003, 14:54
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Branche muss 2002 erstmals seit fünf Jahren hinnehmen einen Rückgang hinnehmen - Laufende Prämie legte dennoch zu - Hoffen auf Zukunftsvorsorge

Wien - Nach dem ersten Einnahmenrückgang im Vorjahr seit fünf Jahren hoffen die heimischen Lebensversicherer für 2003 wieder auf ein moderates Prämienwachstum von 2,9 Prozent. Verursacht wurde der Rückgang um 1,9 Prozent auf 5,72 Mrd. Euro, mit denen die Lebenssparte 2002 ihren Spitzenrang wieder an Schaden/Unfall abgeben musste, vor allem durch die Zurückhaltung bei Einmalerlägen. Nun setzt man die Hoffnung auf das wachsende Bewusstsein für private Altersvorsorge und die neue geförderte Zukunftsvorsorge.

Den Aktienanteil in den Veranlagungen haben die heimischen Versicherer angesichts der schwarzen Börsenjahre 2001 und 2002 mittlerweile auf rund 5 Prozent gesenkt, nach noch rund 11 Prozent vor gut einem Jahr. Von den im Vorjahr um 4 Prozent auf 55,5 Mrd. Euro gewachsenen Kapitalanlagen der Assekuranz entfallen etwa zwei Drittel allein auf die technischen Reserven der Lebensversicherer.

Abverkäufe von Wertpapieren

Verbandspräsident Generali-Vienna-Chef Dietrich Karner sagte am Dienstag in einem Pressegespräch, der Abbau der Aktienquote um mehr als die Hälfte resultiere aus Abverkäufen von Wertpapieren, aber auch aus niedrigeren Bewertungen in den Portfeuilles auf Grund der Aktienkurse. Orientieren könne man sich dabei am EuroStoxx50, in dessen Werte besonders stark investiert werde. Karner räumte ein, dass im erfolgten starken Umstieg von Aktien in Anleihen "eine Bombe drinnen" steckt, da die Anleihekurse bei einem allfälligen Zinsanstieg wieder zurückgehen.

Dass die Pensionskassen für 2002 bereits das zweite Mal in Folge Zusatzrenten kürzen müssen, findet Lebensparten-Sprecher Wiener-Städtische-Generaldirektor Günter Geyer "unerfreulich" und "bedauerlich". Er erinnerte aber daran, dass die Lebensversicherungen schon bei Gründung der Kassen vor mehr als einem Jahrzehnt betont hätten, dass die Assekuranz die sichereren Produkte anbiete: "Bei uns gibt es keinen einzigen Pensionisten als Versicherten, der eine Kürzung hinnehmen muss - im schlimmsten Fall ein geringeres Wachstum." Ähnlich gewarnt habe man bezüglich der neuen Mitarbeitervorsorgekassen (MVK), die die "Abfertigung neu" abwickeln. Für die Pensionskassen sollte der Gesetzgeber pro futuro Reparaturmöglichkeiten ermöglichen, so Geyer.

Private Altersvorsorge

"Trotz oder sogar wegen der Budgetnöte" forderte Verbandspräsident Karner durch das Bundesbudget eine Stärkung der privaten Altersvorsorge. Dass die obligatorische Alterssicherung sinken werde und die zweite (betriebliche) und dritte (private) Säule zur Vermeidung von Pensionslücken gestärkt werden müssten, ergebe sich auch aus dem kürzlich vorgelegten weiteren Bericht der Pensionsreformkommission.

Zudem müsse die steuerliche Benachteiligung der österreichischen Lebensversicherer im Vergleich zu ihren Auslandskonkurrenten beseitigt und die 2001 eingeführte Rücklagenbesteuerung auf ein verträgliches Mindestmaß reduziert werden. Bei der Besteuerung der Altersvorsorge sollte man nach dem E-E-T-Grundsatz vorgehen, also die Einzahlungen und die laufenden Erträge steuerfrei stellen und nur die Pensionsauszahlungen besteuern.

Zukunftsvorsorge

Bezüglich der neuen Zukunftsvorsorge, die heuer bis zu einer Einzahlungshöhe von 1.851 Euro mit 9,5 Prozent Prämie vom Staat gefördert wird und der Assekuranz in der Sparte Leben zusätzliche Zuwächse ermöglichen soll, hat die Branche noch keine konkreten Vorstellungen vom möglichen Volumen. Generaldirektor Geyer verwies dazu am Dienstag in einem Pressegespräch lediglich auf Regierungsschätzungen von 300.000 bis 400.000 Verträgen zumindest im ersten Jahr.

Dass die Zukunftsvorsorge nun durch eine Senkung der vorgeschriebenen Mindest-Aktienquote von 60 auf 40 Prozent repariert werden soll - der parlamentarische Budgetausschuss soll sich diesen Donnerstag damit befassen -, begrüßen die Versicherungen. Allerdings hätten sie sich gewünscht, dass "echte 40 Prozent" fixiert werden, also - anders als derzeit geplant - exklusive die staatlichen Prämien, wie Geyer und UNIQA-Generaldirektor Konstantin Klien betonten. Denn unter Einschluss der Förderung könnten es faktisch erst wieder über 50 Prozent sein, so Geyer.

Senkung der Aktienquote

Laut den Erläuterungen zum diesbezüglichen ÖVP-FPÖ-Antrag soll die Senkung der Aktienquote von 60 auf 40 Prozent bewirken, "dass die - erforderlichen - Garantiekosten für einen Anleger, der sein Kapital einer Verrentung zuführt, in einem wesentlich niedrigeren Ausmaß anfallen". Durch die damit höhere Attraktivität des Produkts soll auch der heimische Kapitalmarkt gefördert werden. Von den heuer auslaufenden prämiengeförderten Pensionszusatzversicherungen (PZV), die im Vorjahr trotz eines Zuwachses von 48 Prozent nur auf 9,8 Mio. Euro Prämie kamen, kann man auf die neue Zukunftsvorsorge umsteigen.

2002 verzeichneten die Lebensversicherer wegen des starken Einmalerlags-Rückgangs insgesamt ein Prämienminus von 1,9 Prozent auf 5,72 Mrd. Euro, die Leistungen lagen mit 3,78 Mrd. Euro um 2,6 Prozent unter dem Wert von 2001. Die Einnahmen in der Rentenversicherung insgesamt sanken um 17,3 Prozent auf 1,075 Mrd. Euro, dabei gingen die Einmalerläge um 28,2 Prozent auf 701 Mio. Euro zurück, und die Einnahmen aus laufenden Zahlungen stiegen um 15,4 Prozent auf 376 Mio. Euro. Fondspolizzen brachten mit 763 Mio. Euro um 6,4 Prozent mehr ein - und sollen auch 2003 weiter zulegen -, wobei 2002 die Einmalerläge um 22,8 Prozent auf 270 Mio. Euro zurückgingen.

Da die starken Jahressprünge bei den Einmalerlägen das Gesamtbild stark verzerren, wird laut Karner im Verband überlegt, diese künftig jeweils nur in Zehntel-Schritten in die Statistiken einfließen zu lassen. Durch den starken Rückgang der Einmalerläge, der die gesamten Lebensprämien im Vorjahr gedrückt hat, werde nämlich verschleiert, dass die Einnahmen gegen laufende Prämie um mehr als 6 Prozent gewachsen seien, so Klien. (APA)

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