Krstic verlangt neuen Prozess in Den Haag

18. Februar 2003, 14:37
posten

Verurteilter bosnisch-serbischer General soll für Massaker in Srebrenica verantwortlich gewesen sein

Den Haag - Der wegen Völkermordes zu 46 Jahren Haft verurteilte bosnisch-serbische General Radislav Krstic hat einen neuen Prozess vor dem UNO-Tribunal in Den Haag verlangt. Die Eingabe wurde am Dienstag in Den Haag veröffentlicht. Krstic kommandierte die serbischen Truppen bei der Eroberung der einstigen UNO-Schutzzone Srebrenica. Nach dem Sturm auf das Gebiet in Ostbosnien im Juli 1995 waren mehr als 7.500 moslemische Zivilisten ermordet worden. Der General bestreitet jede Verantwortung für das Massaker.

Beweise für Parallelstruktur

Nach Darstellung von Krstic belegen jetzt aufgetauchte Beweise seine Version, dass es neben der offiziellen Befehlsstruktur damals eine Parallelstruktur gegeben habe, in die er nicht eingebunden gewesen sei. Darüber sollen Befehle zur Ermordung gefangener Zivilisten ergangen sein. Die Beweise zeigen seiner Ansicht nach auch, dass er - Krstic - erst nach den Bluttaten Kommandant des Militär-Korps geworden sei, das an Erschießungen beteiligt war. Nach Auffassung der Richter war er zum Zeitpunkt der Exekutionen bereits Befehlshaber der Einheit.

Krstic wurde im August 2001 verurteilt. Er ist bisher der Einzige, den das Tribunal in Den Haag des Völkermordes schuldig befunden hat. Seine Berufung ist seit eineinhalb Jahren anhängig. Wegen des Massakers von Srebrenica sind seit 1995 auch der bosnisch-serbische Politiker Radovan Karadzic und sein Militärchef Ratko Mladic angeklagt. Beide sind weiterhin flüchtig. (APA/dpa)

Share if you care.