Tschechien: "Chiracs Aussagen wenig sinnvoll"

18. Februar 2003, 14:24
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EU soll im Irak-Konflikt zu einer Einigung finden

Prag - Der tschechische Außenminister Cyril Svoboda hat am Dienstag die Kritik des französischen Präsidenten Jacques Chirac an den EU-Beitrittsländern wegen ihrer pro-amerikanischen Haltung im Irak-Konflikt zurückgewiesen. Er halte es für schwer nachvollziehbar, wenn EU-Beitrittskandidaten für eine Haltung kritisiert würden, die auch einige Mitgliedstaaten hätten, sagte der Christdemokrat im Prager Rundfunk. Es sei wenig sinnvoll, von integrierten und nicht integrierten Ländern sowie von "altem" und "neuem" Europa zu sprechen, sagte Svoboda.

Wichtiger als solche Etiketten sei, dass die EU im Irak-Konflikt zu einer Einigung gefunden habe, sagte der Minister. Dies zeuge von der "Reife" des Bündnisses. Svoboda sagte, er sehe nichts besonders Schlimmes darin, dass Beitrittskandidat Tschechien zu den Gesprächen am Montag in Brüssel nicht eingeladen worden sei. Ein solches Verhalten sei im Einklang mit EU-Recht.

Havel unterschrieb

Der mittlerweile ausgeschiedene tschechische Präsident Vaclav Havel hatte im Jänner einen internationalen Aufruf zur Unterstützung der US-amerikanischen Irak-Politik ("Brief der Acht") unterzeichnet. Die sozialliberale Regierung in Prag hatte zuvor das Schreiben als "überflüssig" bezeichnet und eine Unterzeichnung abgelehnt.

Chirac hatte am Montagabend in Brüssel gesagt, die EU-Beitrittskandidaten hätten "eine gute Gelegenheit zum Schweigen verpasst". Er warnte die Staaten davor, ihren Beitritt zur Union zu gefährden. Chirac hob jedoch die Distanzierung der Prager Regierung von Havels Unterschrift unter den "Brief der Acht" positiv hervor. (APA/dpa)

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