Wirtschaft fordert Ausnahmen für Kleinkredite

18. Februar 2003, 14:15
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"Praxisfern" und "teuer": Die Bundeskreditsparte der Wirtschaftskammer will der geplanten EU-Verordnung die Spitze nehmen

Wien - "Praxisfern" und "teuer". So lautet die Bewertung der Bundeskreditsparte in der Wirtschaftskammer Österreich zum neuen EU-Richtlinienvorschlag für Verbraucherkredite. Gerade die in Österreich beliebten Kontoüberziehungen würden auf diese Weise "erheblich getroffen und wesentlich verteuert werden", kritisierte am Dienstag Geschäftsführer Herbert Pichler. Nicht erreicht werde das Anliegen des Entwurfs, die Kreditvergabe transparenter und international vergleichbar zu machen. "Der Ausweis dreier verschiedener Zinssätze (Effektiver Jahreszins, Kreditgeber-Gesamtzins, Sollzins) müsse "jeden Kunden überfordern", fürchtet Pichler.

Wenn die Bank in Zukunft für die Kreditvergabe "weit über den heutigen Standard hinaus gehende persönliche Umstände erforschen" soll und dafür der Bank eine Haftungsverpflichtung auferlegt werde, dürfte dies wohl auch kaum den Interessen der Konsumenten entsprechen, glaubt Pichler.

Die österreichische Kreditwirtschaft will deshalb den von der EU derzeit vorgesehenen neuen "Hürden" bei Kreditaufnahmen die Spitze kappen. In Brüssel werde man versuchen, zu "praxisgerechten" Lösungen zu kommen, die zum einen den Kundeninteressen entgegen kämen und zum anderen die Kosten in Grenzen hielten, wobei es "gerade für Kleinkredite entsprechende Ausnahmen geben müsste", wie Pichler, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer Österreich am Dienstag in einer Pressemitteilung fest hielt.

Ziel der neuen Richtlinie ("Verbraucherkreditrichtlinie") ist es aus Sicht der EU wie berichtet, die private Überschuldung einzudämmen. Verschiedene Kreditinstitutsverbände in Österreich und Deutschland sprachen schon vom bevorstehenden "Aus" für Kontoüberziehungen und auch Fremdwährungskredite, da es künftig Geld nur noch nach aufwendiger Prüfung und Beratung geben soll. Die Kreditgeber müssen sich über die Kreditwürdigkeit ihrer Kundschaft viel genauer informieren (inklusive Verwendungszweck des aufgenommenen Geldes) als jetzt, auch soll der Kunde binnen 14 Tagen seinen Kreditvertrag widerrufen können.

Auch an diesem Passus stoßen sich die Banken: Dieses 14-tägige Widerspruchsrecht bei Privatkrediten, die auf Betreiben des Kunden abgeschlossen würden, widerspreche in vielen Fällen den Wünschen der Konsumenten, "die einen Kredit rasch in Anspruch nehmen wollen".

Vor "überzogenen Auswirkungen" und "Nachteilen für die Konsumenten" warnt deshalb die Bundeskreditsparte der Wirtschaftskammer. Laut Pichler müssen der Schutz der Konsumenten und die notwendige Information - "zu der sich die österreichische Kreditwirtschaft bekennt" - dort Grenzen haben, wo dies zu übertriebener Bürokratie führe.(APA)

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