Umdenken und weise werden

18. Februar 2003, 14:41
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Erwachsene, lest Kinderbücher - Wissenschafter glaubt, die Welt wäre friedlicher, würden wir "Potter" und Michael Ende lesen

Osnabrück - Erwachsene sollten nach Ansicht des Literaturwissenschafters Thomas Kullmann von der Universität Osnabrück viel öfter Kinder- und Jugendbücher lesen. "Wenn mehr Erwachsene häufiger Kinderbücher lesen würden statt immer nur realitätsbezogene und zeitnahe Romane, lebten wir wahrscheinlich in einer friedlicheren Welt", sagte der 42-Jährige.

Nach Kullmanns Überzeugung haben gute Kinderbücher eine äußerst konstruktive Wirkung auf Familie und Gesellschaft. "Zwar lassen sich die erzählten Geschichten oft nicht eins zu eins auf die Wirklichkeit übertragen. Sie regen aber die Fantasie an, vermitteln neue Ideen und erleichtern damit auch politische Problemlösungen."

Umdenken und weise werden

Sicher könne man auf diese Weise nicht unmittelbar Kriege verhindern. "Genauso sicher ist aber, dass Kinderbücher Erwachsenen helfen können, umzudenken und politische Entwicklungen aus einer höheren Warte und damit weiser einzuschätzen," ist Kullmann überzeugt. In Tolkiens "Herr der Ringe" werde beispielsweise eindrucksvoll beschrieben, wie ein Gegenstand vernichtet wird, um eine Weltherrschaft unmöglich zu machen.

Kinderbücher sind nach Ansicht des Wissenschafters durch ihre metaphorischen Bezüge am ehesten geeignet, das Vorstellungsvermögen zu erweitern und tagtäglich von Politik und Medien gelieferte Denkschemata zu überwinden.

Training

"Jedenfalls bietet fantastische Literatur sehr gute Trainingsmöglichkeiten für humanere Verhaltensweisen," erklärte Kullmann. In diesem Zusammenhang nannte er die Harry-Potter-Folgen, Tolkiens "Der kleine Hobbit" sowie Michael Endes "Momo" und "Die unendliche Geschichte". Deutsche Autoren arbeiteten allerdings zu viel mit erhobenem Zeigefinger, meint der Professor. (APA/dpa)

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