Kapitalmarktkuratorium kämpft für stärkere Wiener Börse

18. Februar 2003, 14:20
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Regierungsbeauftragter Schenz sieht Nachholbedarf bei Aktienkultur - Marktkapitalisierung und Aktionärsanteil sollen gehoben werden

Wien - Mit einer hochrangigen Besetzung hat sich am Dienstag das Kuratorium für den österreichischen Kapitalmarkt der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Initiative versteht sich als Plattform für gemeinsame Aktivitäten wesentlicher Unternehmen und Wirtschaftsinstitutionen zur Stärkung des heimischen Kapitalmarkts und dem Sicherstellen der Europareife.

Initiatoren des Kuratoriums sind der Regierungsbeauftage für den Kapitalmarkt, Richard Schenz, die Wiener Börse AG sowie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Kuratoriumsmitglieder sind neben der Industriellenvereinigung und der Finanzmarktaufsicht (FMA) die OeKB, die Privatisierungsholding ÖIAG, der Wirtschaftsförderungsfonds der Stadt Wien, die Wirtschaftskammer sowie zahlreiche börsenotierte Unternehmen wie OMV oder Telekom Austria.

Gemeinsamer Ausbau des heimischen Kapitalmarkts

Erklärtes Ziel des Kuratoriums ist der gemeinsame Ausbau des heimischen Kapitalmarkts, um so Finanzierungspotenzial für Unternehmen zu sichern um damit wieder die Wirtschaft zu stärken. Einen großen Aufholbedarf sehen die Kuratoriumsmitglieder hier vor allem bei der im Europavergleich noch geringen Marktkapitalisierung und Umsatzstärke der Wiener Börse sowie der unterentwickelten Aktienkultur und dem mangelnden Vertrauen in die Börse. Es gebe derzeit sowohl von Angebots- als auch von Nachfrageseite zu wenig Volumen, erklärte Richard Schenz bei einer Pressekonferenz in Wien.

Ziel müsse es sein, die Aktienkultur zu heben und damit den Anteil österreichischer Aktionäre deutlich über die aktuellen 7,5 Prozent anzuheben, so der Regierungsbeauftragte. Neben den Medien sollen auch die Banken am "point of sale" ihre Kunden besser über Veranlagungsmöglichkeiten informieren. Aber bereits in der Schule soll ein Bewusstsein für Kapitalmarktthemen geschaffen werden. Konkret peilt das Kuratorium bis 2006 eine Aktienmarktkapitalisierung von 50 Mrd. Euro aus, der Anteil heimischer Privataktionäre soll auf zwölf Prozent gesteigert werden, führte Börse-Vorstand Stefan Zapotocky aus.

Positives Bild vom heimischen Kapitalmarkt generieren

Gemeinsam wollen die Kuratoriumsmitglieder daher ein positives Bild vom heimischen Kapitalmarkt im In- und Ausland generieren. Ein Schwerpunkt der geplanten Aktivitäten der nächsten drei Jahre bildet eine aktive Medienarbeit, bei der die unterschiedlichen Ziele der Kuratoren gebündelt werden, erklärte Zapotocky.

Neben Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und der Ansprache spezieller Zielgruppen soll aber auch Grundlagenarbeit in Form von Kapitalmarktforschung mit dem gemeinsamen Budget finanziert werden. Angestrebt wird dabei ein Gesamtbudget von "weit über 1 Mio. Euro", mit der das gemeinsame Maßnahmenbündel finanziert werden soll.

Private Vorsorge und Börsengänge

Große Hoffnungen setzen die Mitglieder des Kuratoriums zur Kapitalmarktförderung in die "Killerapplikation" private Zukunftsvorsorge. Die prämienbegünstige Altersvorsorge "wird ein Renner", ist Schenz überzeugt. Mit dem privaten Vorsorgemodell soll die heimische Wirtschaft gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen werden. Damit werde indirekt auch die erste und zweite Säule der Altervorsorge gestärkt. (APA)

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    Regierungsbeauftager für den Kapitalmarkt, Richard Schenz,

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