Gläubigerschützer: Skepsis gegenüber EU-Kredit-Richtlinie

18. Februar 2003, 14:20
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Erschwernisse bei Konto-Überziehungen könnte Weg in die Zahlungsunfähigkeit beschleunigen

Wien - Die beiden Gläubigerschutzverbände Alpenländischer Kreditorenverband (AKV) und Kreditschutzverband von 1870 (KSV) stehen der von der EU geplanten Novelle zur Verbraucherkreditrichtlinie skeptisch gegenüber. Die vorgesehenen Erschwernisse bei Kontoüberziehungen könnten sogar zu einer Beschleunigung der Zahlungsunfähigkeit und damit auch zu einem Ansteigen der Privatkonkurse führen, befürchtet Johann Kosstal vom KSV gegenüber der APA.

Zu allererst müsste man sich mit den laufenden Überziehungsrahmen auseinander setzen und sich die Frage stellen, was mit den bestehenden Überziehungskrediten zu geschehen habe, so Kosstal. Sollte sich bei der Bonitätsprüfung herausstellen, dass der betroffene Kunde eigentlich nicht Kredit würdig ist, könnte ihn eine mögliche Fälligstellung in die Privatinsolvenz treiben.

Für Otto Fellermayr vom AKV werden die Konsumenten auch bei strengeren Kreditvergaberichtlinien Wege finden sich zu verschulden. So könnte zum Beispiel der Handel im eigenen Interesse vermehrt Einkäufe kreditieren.

Tatsache ist jedenfalls, dass sich die Zahl der Privatkonkurse in Österreich seit 1996 mehr als verdoppelt hat. Schlitterten 1996 (ein Jahr nach Einführung des Privatkonkurses) laut AKV-Statistik "nur" 1.546 Private in die Pleite so waren es 2002 bereits 3.781 Betroffene.

In der WarenKreditEvidenz (WKE) des KSV scheinen 330.000 Personen auf, die Zahlungsprobleme haben oder hatten. Der Leiter der Wiener Schuldnerberatung Alexander Maly, geht von rund 300.000 überschuldeten Haushalten in Österreich aus. Die Kontoüberziehungen in Österreich erreich derzeit wie berichtet ein Volumen von 50 Mrd. Euro. (APA)

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