Kirchliches Internet-Service zum Irak-Konflikt eingerichtet

25. Februar 2003, 13:03
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Katholische Sozialakademie bietet Sammlung von Internet-Links mit kirchlichen Stellungnahmen

Eine Informationsplattform im Internet zum Konflikt zwischen den USA und dem Irak bietet ab sofort die Katholische Sozialakademie Österreichs (KSÖ) auf ihrer Homepage an. Man findet dort laut Kathpress vom Dienstag zahlreiche Informationen, Medien-Berichte und Stimmen aus den christlichen Kirchen, von Frauenorganisationen, jüdische und arabische Positionen sowie Stellungnahmen aus den USA, der internationalen NGOs und der amerikanischen Friedensbewegung.

Auch namhafte Vertreter der katholischen Kirche in Österreich hatten sich in den vergangenen Tagen entschieden gegen einen Angriff auf den Irak ausgesprochen. Der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, hatte den Ruf des Papstes, dass Krieg keine Lösung ist, als "prophetischen Ruf" bezeichnet. Schönborn erinnerte an die Meinung eines emeritierten US-Diplomaten: "Der Papst und (Ex-Präsident Ronald) Reagan haben das Sowjetimperium ohne einen Schuss zu Fall gebracht; es muss doch möglich sein, die Irak-Krise ohne Krieg zu lösen".

Vor einem Krieg im Irak hatte auch der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser gewarnt. Es müssten alle nur erdenklichen diplomatischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um den Irakkonflikt friedlich beizulegen. "Das irakische Volk leidet unter der Willkür eines gnadenlosen Diktators, aber es hungert auch infolge des zwölfjährigen Embargos der internationalen Staatengemeinschaft", so Kothgasser. In einer bewaffneten Auseinandersetzung wäre die Zivilbevölkerung die leidtragende.

Auch der Wiener Weihbischof Ludwig Schwarz warnte als Vorsitzender der "Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission" (KOO) vor einem Krieg. Er erinnerte an das Schicksal der Bevölkerung im Irak, die einer "doppelten Unterdrückung" - durch das eigene Regime und durch die vom UNO-Sicherheitsrat verhängten Sanktionen - ausgesetzt sei. Dieses Embargo verletze das Recht auf Leben, denn laut UNICEF-Statistiken sterben jeden Monat 5.000 Kinder an den unmittelbaren Folgen der Sanktionen. So erlebe der Irak in den vergangenen 13 Jahren den höchsten Anstieg der Kindersterblichkeitsrate weltweit.

Auch für den Salzburger Weihbischof Andreas Laun ist keine einzige Bedingung erfüllt, die einen Krieg gegen den Irak unter Umständen rechtfertigen könnte. "Es gibt keine Legitimation für diesen Krieg", so Laun aus Sicht der Moraltheologie. Die Art, wie die USA ungeduldig auf "Beweise" für die Schuld des Irak warten, ist für Laun "mehr als verdächtig". Statt sich zu freuen über jeden Tag, der ohne Waffenfunde vergeht, scheinen sie die Beweise nicht erwarten zu können, um "endlich losschlagen zu können".

Die Pflicht der christlichen Kirchen, sich gegen einen Krieg im Irak zu stellen, war auch am Wochenende im Mittelpunkt einer ökumenischen Gebetsstunde für den Frieden im Wiener Stephansdom gestanden. Der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos sagte, die Christen bräuchten den Mut, als Friedensstifter in der Welt aktiv zu werden. Auch der evangelische Oberkirchenrat Michael Bünker unterstrich die "geistliche Pflicht" der Kirchen, sich gegen einen Krieg im Irak zu stellen. Die Kirchen sagten einmütig, dass die Anwendung von Gewalt gegen Menschen nie gerecht sei, auch wenn es um einer vermeintlich gerechten Sache willen geschehe. Der Krieg gegen den Irak wäre zudem ein Präventivkrieg, "den kein Völkerrecht und keine Ethik zulassen".(APA)

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