Sechzig Jahre nach Festnahme der "Weißen Rose"

20. Februar 2003, 16:25
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Erinnern an die Widerstandsgruppe - Ausstellung über "Jugend im NS-Staat"

München - Sechzig Jahre nach der Festnahme der Geschwister Scholl durch die Nazis hat der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Thierse am Dienstag in München der beiden später Hingerichteten gedacht. Bei einer Veranstaltung in der Universität sagte Thierse: "Das Sterben der wenigen Mutigen im Kampf gegen die Nazi-Diktatur bedeutet für Deutschland ein politisches und moralisches Vermächtnis."

Hans und Sophie Scholl waren die Hauptfiguren der Münchner Widerstandsgruppe "Weiße Rose", die mit Flugblättern gegen die Nazis protestierte. Deswegen wurden sie am 18. Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und vier Tage später mit dem Fallbeil hingerichtet.

"Keine" Selbstverständlichkeiten

"Die Mitglieder der "Weißen Rose" traten für etwas ein, was für viele von uns als Selbstverständlichkeit erscheinen mag: Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit", sagte Thierse. Aber diese Werte seien nicht auf Dauer sicher, auch im heutigen Deutschland nicht.

Die Geschwister Scholl seien "Märtyrer der Freiheit". Ihr Tod solle daran erinnern, dass Deutschland politisch wach sein müsse, um die Feinde der Demokratie frühzeitig zu erkennen und zurückzudrängen.

"Bittere Lehre für die Zukunft"

Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmair sagte: "Die Verhaftung und Hinrichtung der Geschwister Scholl ist eine bittere Lehre für die Zukunft." Diktaturen könnten nur durch Zivilcourage und den Widerstand vieler Bürger verhindert werden.

Thierse warnte vor dem Vergessen der Widerstandskämpfer und zitierte den Schriftsteller Thomas Mann: "Ihr sollt nicht umsonst gestorben sein, ihr sollt nicht vergessen sein."

Am 60. Jahrestag der Hinrichtung der Geschwister Scholl an diesem Samstag wird in der bayerischen Gedenkstätte Walhalla bei Regensburg eine Sophie-Scholl-Büste enthüllt. Zudem soll eine neue Gedenktafel an alle Anti-Hitler-Widerstandskämpfer erinnern.

Ausstellung

Im Bundesarchiv im Schloss Rastatt ist eine Ausstellung über "Jugend im NS-Staat" zu sehen. Rund 50 Tafeln dokumentieren die "Gleichschaltung" der bestehenden Jugendverbände. Nach Angaben der Veranstalter wird gezeigt, wie der NS-Staat Jugendliche unter anderem durch Spaß und Abenteuer für sich gewann: "Die neuen Machthaber verstanden es, die Begeisterung der umworbenen Jugendlichen geschickt zu verstärken, sie gleichzeitig aber zu manipulieren, ja zu uniformieren. Am Ende fanden sich die Jugendlichen als Flak-Helfer wieder."

Zu sehen sind bis zum 18. Mai zahlreiche Fotos, Plakate, Aktenstücke, Drucksachen und Flugblätter. Filme, Vorträge und Sonderführungen ergänzen die Ausstellung in der Rastatter Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte. Dort ist bereits eine Dauerausstellung über die "Weiße Rose" zu sehen. (APA/dpa)

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