Neues Projekt für Wien-Mitte im Talon

18. Februar 2003, 21:15
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Häupl: Alternative, falls Investoren ablehnen

Wien - Wie immer die Diskussion um Welterbe, Wien-Mitte und die Höhe von Türmen ausgeht, es wird bereits an einem Ausstiegsszenario gefeilt: SP-Bürgermeister Michael Häupl bestätigt, dass an einem Alternativprojekt für die Bahnhofsüberbauung in Wien-Mitte gearbeitet wird. "Nur die Finanzierung steht noch nicht", erklärte Häupl gegenüber dem STANDARD. Man bräuchte auch für so ein Alternativprojekt wieder private Investoren.

Ausstiegspläne einkalkuliert

Um welches Projekt es sich handle und wie damit das drohende Bauloch im dritten Bezirk gefüllt werden soll, darüber wollte Häupl noch nichts verraten. Aber: "Wir sind vorbereitet, falls die Investoren abspringen." Er hoffe das zwar nicht, aber man könne es ihnen nicht verdenken, wenn sie sich unter derart geänderten Rahmenbedingungen sich zurückziehen, lässt Häupl Ausstiegspläne vermuten.

Für Investoren nicht einfach

In der aufgeheizten Stimmung rund um Wien-Mitte wird es auch für künftige Investoren nicht einfach, ein großes Projekt im dritten Bezirk umzusetzen. Vor allem sind Denkmalschützer, Anrainer und politische Gegner hellsichtig, was - und vor allem in welchen Dimensionen - dort errichtet wird. Häupl hat bereits vor wenigen Tagen den "Mördern" des Wien-Mitte-Projekts gedankt, die das Projekt zu Fall bringen würden. Dazu gehören für den Bürgermeister sämtliche Kritiker des überdimensionalen Baus inmitten der von der Unesco definierten Pufferzone zum Schutz des Wiener Welterbes "Innere Stadt".

Vor allem die Forderung von Icomos-Österreich, den Bau in Wien-Mitte neu zu planen und die maximale Höhe um ein Drittel zu kappen, stößt Häupl sauer auf. Er wolle sich die Stadt nicht schlecht reden lassen von Projektgegnern. Wien habe immer sein kulturelles Erbe gepflegt. Allerdings: Die wuchtige Architektur mit den vier bis zu 97 Meter hohen Türmen gefällt selbst Häupl nicht mehr so recht, gestand er kürzlich.

FPÖ hindert

Unterstützt von der kritischen Stellungnahme durch Icomos Österreich sieht sich die Wiener FPÖ in ihrem Bestreben, Wien-Mitte zu verhindern. Die Freiheitlichen finanzieren auch Klagen von Anrainern, die beim Bahnhof Wien-Mitte wohnen. Anrainer sehen die ihnen zustehende Parteienstellung im Bauverfahren verletzt und kämpfen dagegen vor Gericht. (aw/DER STANDARD; Printausgabe, 19.2.2003)

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