EMTS sucht händeringend nach Investor

18. Februar 2003, 22:10
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Salzburger Handyservice-Dienstleister will trotz Bilanz- Manipulations-Vorwürfen Mitte März einen strategischen Partner präsentieren

Wien - Die durch Vorwürfe wegen Bilanzmanipulation und eine Vertragskündigung durch Nokia in Bedrängnis geratene börsenotierte Salzburger Handyservice-Firma EMTS will bis Mitte März 2003 einen strategischen Partner und damit ein Konzept für die Fortführung der Firma gefunden haben. EMTS-Vorstandsvorsitzender Christian Rosner hofft nach eigenen Angaben "jeden Tag" auf eine Lösung. Aber die Partnersuche werde noch einige Wochen andauern.

"Ein reiner Finanzinvestor hilft uns nicht, wir brauchen einen industriellen strategischen Partner", sagte Rosner am Dienstag zur APA. EMTS benötige nach der Vertragskündigung durch Nokia wieder "jemanden, der Umsatz und Volumen" einbringe und das Überleben der übrig gebliebenen 11 EMTS-Standorte sichere.

Außerdem soll Nokia wieder ins Boot geholt werden: "Wir können nicht jemanden vergessen, auf den das gesamte Geschäftsmodell aufgebaut ist". Nokia trage europaweit im Schnitt 50 Prozent zum gesamten EMTS-Umsatz bei, in den einzelnen Ländern 2 bis 95 Prozent.

Für die Zeichnung der bei der letzten Hauptversammlung Anfang Februar beschlossenen Kapitalerhöhung gebe es zwar bereits "einige Kandidaten" aus dem Kreis der Finanzinvestoren, doch wäre es "sinnvoller, wenn der neue strategische Partner die Kapitalerhöhung zeichnet", meint Rosner.

EMTS hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 in 15 Ländern mit rund 1.600 Mitarbeitern ersten Berechnungen zufolge 127 Mio. Euro Umsatz erzielt. Nach dem Rückzug aus der Schweiz, Monaco, den Niederlanden und Frankreich ist EMTS nun nur mehr in 11 Ländern mit rund 1.450 Mitarbeitern tätig. Auf Österreich entfallen mit rund 16 Mio. Euro rund 14 Prozent des Umsatzes. Hier zu Lande beschäftigt EMTS rund 200 Mitarbeiter, die Mehrheit entfällt auf die Handyfabrik in Parndorf, der Rest auf die Standorte in Wien, Salzburg, Linz, Innsbruck und Graz. Die Verbindlichkeiten der EMTS belaufen sich auf 17,3 Mio. Euro.

Nokia hatte Anfang Februar alle Kooperationsverträge mit der EMTS in allen 11 Ländern mit Wirksamkeit Ende Juli 2003 gekündigt, da der weltgrößte Handyhersteller nach eigenen Angaben mit der Reparaturleistung von EMTS unzufrieden war. Ebenfalls Anfang Februar hatte EMTS mitgeteilt, dass sich der Verdacht auf Bilanzmanipulation durch das frühere Management - u.a. durch EMTS-Gründer und -Vorstand Franz Guggenberger - erhärtet habe. Derzeit durchleuchtet ein auf Betrugsfälle spezialisiertes Team der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die EMTS-Bücher, erste Ergebnisse sollen Ende Februar vorliegen.

Die in Zürich EMTS-Aktie verlor heute gegen Mittag 10,71 Prozent und fiel auf 1,25 Schweizer Franken (0,849 Euro). (APA)

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    montage: derstandard.at
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