Erdogan bekräftigt Forderung nach Gegenleistungen der USA

19. Februar 2003, 11:04
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AKP-Chef: US-freundlicher Kurs "nicht unumkehrbar" - Türkei will bis zu 50.000 Soldaten in den Irak schicken - Washington drückt aufs Tempo

Ankara - Der Chef der türkischen Regierungspartei AKP, Recep Tayyip Erdogan, hat der Forderung nach Gegenleistungen der USA für einen möglichen Truppenaufmarsch in der Türkei Nachdruck verliehen. Der US-freundliche Kurs seines Landes sei "nicht unumkehrbar", sagte Erdogan am Dienstag vor dem Parlament. Vor knapp zwei Wochen hatten die Abgeordneten grünes Licht gegeben für die Modernisierung türkischer Stützpunkte durch die US-Armee. "Unsere amerikanischen Freunde sollten diese Entscheidung nicht als unabänderlichen Kurs interpretieren", sagte Erdogan. Wegen mangelnder Zusagen in "politischen, militärischen und wirtschaftlichen Fragen" hatte das Parlament eine für Dienstag geplante Abstimmung über die Stationierung von US-Truppen für einen Irak-Krieg verschoben.

Im Fall eines Krieges will die Türkei 40.000 bis 55.000 Soldaten in den Norden des Irak schicken, berichtete das Massenblatt "Hürriyet". Damit solle ein unabhängiger Kurdenstaat vor den türkischen Grenzen verhindert werden. Mit der US-Regierung habe sich Ankara auf die Bildung eines gemeinsamen Kommandos im südöstlichen Diyarbakir geeinigt, wo türkische und US-Truppen im Nordirak befehligt werden sollten. Die meisten der türkischen Soldaten sollen unter Rücksicht auf kurdische Vorbehalte demnach unter US-Kommando gestellt werden. Nach einem Bericht der Zeitung "Vatan" sollen die türkischen Soldaten bis auf die von der Führung in Bagdad kontrollierte Großstadt Mosul vormarschieren.

Fleischer: Türkei soll Entscheidung bald treffen

In der Frage der Stationierung von US-Truppen auf türkischem Boden für den Fall eines Irak-Krieges hat Washington den Druck auf Ankara erhöht. "Es wird Zeit, dass die Türkei eine Entscheidung trifft", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, am Dienstag in Washington. Präsident George W. Bush habe Verständnis für die Schwierigkeit der Situation, betonte Fleischer. Washington arbeite an einer Übereinkunft, die beide Seiten zufrieden stelle. Zugleich begrüßte Fleischer die Entscheidung des NATO-Ausschusses für Verteidigungsplanung vom Sonntag, die Planungen für militärischen Beistand der Türkei aufzunehmen.

Die Türkei steht einem Irak-Krieg skeptisch gegenüber. Ankara fordert von den USA einen finanziellen Ausgleich für seine Unterstützung. Wegen mangelnder Zusagen in "politischen, militärischen und wirtschaftlichen Fragen" hatte das Parlament eine für Dienstag geplante Abstimmung über die Stationierung von US-Truppen verschoben.

Schon während des Golfkrieges 1991 diente das einzige moslemische NATO-Land als wichtiger Aufmarschgebiet für die alliierten Truppen. Aus dieser Zeit fordert Ankara Entschädigungen in Höhe von 40 Milliarden Dollar (37,3 Mrd. Euro). Laut türkischer Presse bot Washington zuletzt rund sechs Milliarden Dollar und zusätzlich 20 Milliarden Dollar in Form von Kreditbürgschaften an. Ankara halte dies für zu wenig, so die Berichte. (APA)

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    Tayyip Erdogan

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