Altsüdarabische Kursivschrift übersetzt

18. Februar 2003, 13:36
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OrientalistInnen der Universität Jena entzifferten sechshundert hölzerne Schriftzeugnisse

Jena - Orientalisten der Universität Jena haben erstmals sechshundert hölzerne Schriftzeugnisse aus dem antiken Südarabien entziffert, ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. Zwischen 800 vor und 500 nach Christus wurden die Alltagstexte in Holzstäbchen geritzt und vom trockenen Wüstenklima konserviert. Anhand dieser Quellen lässt sich die kulturelle, religiöse und wirtschaftliche Entwicklung des vorislamischen Südarabien über 1.400 Jahre hinweg verfolgen.

Jemen: Für fünfzig Jahre christlich

"Vor allem der religiöse Bereich ist dabei sehr interessant", erklärt Projektbetreuer Norbert Nebes. "So war beispielsweise der Jemen im 6. Jahrhundert einmal für fast fünfzig Jahre christlich. Und was die Menschen in ihren persönlichen Briefen geschrieben haben, könnte uns zeigen, inwieweit religiöses Denken ihr Handeln im Alltag prägte." Die hölzernen Warenetiketten wiederum lassen Rückschlüsse auf Handelskontakte zu und helfen vielleicht dabei, die Beziehungen der südarabischen Völker zum Mittelmeer und nach Ostafrika zu klären.

Die Stäbchen sind im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek München. "Der Bestand aus München setzt sich hauptsächlich aus geschäftlichen und privaten Briefen, Urkunden, Verträgen und Etiketten von Warensendungen zusammen", erklärt Nebes. Laut Peter Stein, der mit der Erschließung der Quellen in Jena betraut ist, hat sich die Schrift der Texte in den 1.400 Jahren, die von den Münchener Stäbchen abgedeckt sind, stark verändert.

Auf Palmblattrippen

"Auf den ältesten Stäbchen ähnelt sie noch sehr der Monumentalschrift, die wir aus den Inschriften der südarabischen Ruinenstädte kennen. Auf den jüngeren wird sie immer mehr zu einer kursiven Kleinschrift, in der man schneller schreiben konnte", erklärt Stein.

Als Beschreibmaterial dienten kräftige Palmblattrippen. "Die antiken Kulturen Südarabiens waren Oasenkulturen, die am Ausgang von Trockentälern in die Ebene entstanden", so Nebes. Durch die Täler rauschen heute wie im Altertum zweimal im Jahr, wenn sich der Monsun im jemenitischen Bergland abregnet, enorme Hochwassermassen in Richtung Osten zu Tal.

"Die Völker der Gegend haben schon früh gelernt, dieses Wasser nicht einfach an sich vorbeilaufen und in der Wüste versickern zu lassen, sondern es mit Dämmen festzuhalten und auf ihre Felder umzuleiten", so Nebes weiter. Dadurch konnten sie weitläufige Haine von Dattelpalmen pflanzen. (pte)

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